03.01.2006 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar von Stefan Zaruba Der Kombilohn kann einen notwendigen Spagat schaffen

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Kommentar

Falls auch die politischen Akteure in unserem Land gute Vorsätze für 2006 hatten, ist eine ganze Reihe davon bereits gebrochen. Unter anderem der Vorsatz, weniger mit gigantischen Erwartungen zu operieren. Dass eine isolierte Maßnahme wie das Kombilohn-Modell am Arbeitsmarkt gleich Millionen Menschen in Beschäftigung bringen wird, ist allenfalls ein frommer Wunsch. Auch der Chef des Münchner ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, gibt sich mit seiner Schätzung von 2,3 Millionen neuen Jobs überaus optimistisch.

Doch auch die Gegner der Kombilöhne pflegen bereits wieder ein aus dem alten Jahr mitgebrachtes Laster: das Miesmachen jedes Vorschlags, der am eigenen Weltbild kratzt. ver.di-Chef Frank Bsirske geht hier mit schlechtem Beispiel voran. Er übt sich in der von ihm bekannten Frontalopposition gegen neue Ideen und Wagnisse.

Wenn Bsirske Angst vor dem Niedriglohnsektor in Deutschland hat, muss er sagen, wie gering qualifizierte Menschen einen gut dotierten Arbeitsplatz finden. Kostspielige Versuche mit Fortbildungsmaßnahmen haben jedenfalls keinen Durchbruch geschaffen. Deutschland hat hohe Lebenshaltungskosten. Deswegen ist es schwer, mit gering bezahlten Tätigkeiten über die Runden zu kommen. Dass wir aber zugunsten von Niedriglohnländern einfach auf die Wertschöpfung aus solchen einfachen Jobs verzichtet haben, ist mit für die hohe Sockelarbeitslosigkeit verantwortlich.

Kombilöhne - oder "aktivierende Sozialhilfe" - können diesen Spagat schaffen: Arbeit im Land halten und mit der staatlichen Zulage den Beschäftigten ein Auskommen sichern. Das ist allemal sinnvoller, als mit noch mehr Geld das auf Dauer entwürdigende Nichtstun zu bezahlen. Und auch wenn nicht gleich Millionen neuer Jobs entstehen, ein Bruchteil davon wäre bereits ein Schritt in die richtige Richtung.

Irland gilt als einer der Musterknaben der wirtschaftlichen Gesundung in Europa. Auf der Insel sind seit den 80er Jahren verschiedene Kombilohn-Modelle etabliert. Und während Deutschland über regionale Probeläufe nur schwer hinauszukommen scheint, sind Österreich, die Benelux-Staaten und skandinavische Länder inzwischen voll eingestiegen. Staaten, auf deren Dynamik wir neidvoll blicken.

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