08.02.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar von Stefan Zaruba Der Narrhalla-Marsch übertönt die Alarm-Glocken im Land

von Stefan Zaruba Kontakt Profil
Kommentar

Narren treiben in Deutschland ihr Unwesen. Manche tragen Pappnasen und Tröten. Andere kahl geschorene Schädel und Baseballschläger. Am Rhein wirft die Katjes-Klum Küsschen und Konfekt ins Volk, im Osten streut die NPD olle Kamellen - eine süße Versuchung angesichts der bitteren Wirklichkeit im Jahr 2005. Ein Tanz auf dem Vulkan, hier wie dort.

Fünf Millionen gemeldete Arbeitslose - Tendenz steigend -, ganze Landstriche scheinbar ohne Perspektive, und das Gefühl, dass die deutsche Gesellschaft auseinander bricht. In diejenigen, die immer mehr einschieben und die anderen, die staunend dabeistehen und auf ein paar Bonbons hoffen.

Der Narrhalla-Marsch übertönt die Alarmglocken. Und die Aufregung um WM-Karten und Sportwetten stellt den eigentlichen deutschen Skandal ins Abseits: dass kein Kraftakt, egal für bessere Bildung, mehr Jobs oder gegen die Rechten gelingen mag, weil zwar alle mitziehen jeder aber stur in die Richtung, die er seiner Klientel, seinem nächsten Wahlerfolg oder seiner Profilneurose schuldig ist. So poltert die politische Klasse aus München und Berlin schon vor dem Aschermittwoch heftig gegeneinander. Pointierte Interview-Aussagen, das sollte jeder Demokrat derzeit bedenken, geraten auf der Straße zu platten Parolen. Morgen erst recht, wenn zu Bier und Blasmusik das Niveau der politischen Auseinandersetzung unter das einer guten Büttenrede fallen wird.

Und danach? Schluss mit lustig, hoffentlich. Die Fastenzeit ist eine gute Gelegenheit zur Läuterung und zur Bestandsaufnahme: Wo liegt unsere Verantwortung in der Welt - auch nachdem die große Flut aus dem Blickfeld verschwunden ist? Oder wie lässt sich ein Krieg gegen den Iran verhindern?

Und der Kehraus sollte die Ruhe bringen, um etwas nüchterner die Herausforderungen im Land anzugehen. Zu Ende gedachte Vorschläge für notwendige Reformen haben Wirtschaftsforscher auf den Tisch gelegt. Von ehrlichen Maklern richtig vermittelt, kann der große Kraftakt gelingen. Die Motivwagen der Umzüge sind bereits in Garagen verschwunden, jetzt muss der Karren Deutschland aus dem Dreck. Mit vereinten Kräften.

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