05.01.2006 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar von Stefan Zaruba Deutschland und die Energie: Die Mischung macht's

von Stefan Zaruba Kontakt Profil
Kommentar

Nach einem Tag mit an sich folgenlosen Druckschwankungen in den Gas-Leitungen nach Deutschland öffnen sich in der Koalition die Überdruckventile. In der Energiepolitik hat sich unter dem Deckel des Regierungs-Vertrages ein hoch entflammbares Gemisch angestaut. Schließlich sitzen im Kabinett sowohl die Atomaussteiger und Ökobesteuerer der SPD wie auch Unionsleute, die von alledem in der Vergangenheit wenig wissen wollten.

Die CSU wollte sich in Kreuth als Klammer zwischen den großen Parteien darstellen, nun hat sie eine Lunte entzündet. Bundeskanzlerin Angela Merkel zieht sich taktisch klug auf die Vorgaben des Koalitionsvertrags zurück. Sie weiß um die Brisanz jeder energiepolitischen Diskussion. Zu sehr wird in Ideologien gedacht, statt in praktischer Vernunft.

Natürlich ist die Nutzung der Kernenergie aus mehreren Gründen heikel, natürlich belastet das Verfeuern von Kohle das Erdklima und freilich ist die Abhängigkeit von russischem Gas ein Risiko. Doch Deutschland kann von heute auf morgen weder auf Kohle, noch Gas und Öl verzichten - ebenso wenig wie auf Atomstrom. Etwas Sachlichkeit in der Debatte ist angebracht. Neue Reaktoren wird es in Deutschland nicht geben, schon allein, weil es in Jahrzehnten nicht gelungen ist, für den bisherigen Atommüll ein sicheres Endlager einzurichten. Und für das Abschalten zumindest älterer Meiler lassen sich sogar wirtschaftliche Gründe anführen. Ob aber die technisch modernsten deutschen Kernkraftwerke bis 2021 tatsächlich vom Netz müssen, wird sicher nicht mehr die heutige Regierung entscheiden.

Deswegen bringt es nichts, wenn sich die Akteure vor dem geplanten Energiegipfel im März in Einzelthemen zerfleischen. Ein Masterplan muss auf den Tisch und den Weg aufzeigen, wie das rohstoffarme Deutschland seine Energieversorgung sicherstellen kann.

Dazu ist es unabdingbar, auf einen guten Energiemix zu setzen und den Anteil erneuerbarer Energieträger nachhaltig zu steigern. Und, auch wenn es abgedroschen klingt: Ein Hauptaugenmerk muss beim Energiesparen liegen. Das zeigen auch Exzesse wie die im Advent gleißend hell erleuchteten Häuserzeilen oder der Trend zur Terrassenheizung, die den Grill-Sommer verlängert.

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