05.11.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar von Stefan Zaruba Die CSU und Stoiber haben dringend "was zredn mitnand"

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Kommentar

Der muss weg!" 2003 beim Aschermittwoch in Passau, feuerte Edmund Stoiber wortgewaltig gegen Gerhard Schröder. Der CSU-Chef ließ sich wieder einmal feiern. "Oh wie ist das schön", sang eine bierselige Anhängerschaft zu Füßen des unumstrittenen bayerischen Hausherrn.

Viel hat sich getan in den fast drei Jahren seither. Schröder ist abgewählt, das CSU-Volk ernüchtert. Und Stoiber? Austragsbauer titulierte ihn Grünen-Chef Sepp Dürr dieser Tage und sprach auf gut bayrisch aus, was so mancher Christsoziale wortreich verklausuliert - nur um dasselbe auszudrücken. Aus der Landtagsfraktion sind Rücktrittsforderungen zu vernehmen, während Stoiber um die Chance auf einen Neuanfang in seiner Partei bitten muss.

Der Vergleich ist zwar mit einem gewissen Gehfehler behaftet, doch in diesem turbulenten Jahr haben wir es erlebt, dass ein Kanzler mit mangelndem Rückhalt die Selbstaufgabe seiner Regierung begründete. Und dem von Stoiber geschätzten Vorsitzenden der SPD, Franz Müntefering, reichte diese Woche der Machtverlust in einer Personalfrage für den Abgang. Doch im Freistaat ticken nicht nur die Uhren anders. Bleibt Edmund Stoiber seiner Rolle als Zaudermeister der Nation treu, so ist auch und gerade der endgültige Abgang von der politischen Bühne vorerst nicht zu erwarten.

Die Regierungspartei auf der anderen Seite wird sich noch genau überlegen, ob sie nach der ungewöhnlich heftig aufflackernden Kritik den Schneid für weitergehende Schritte hat - und haben will. Die herausragende Rolle der bayerischen Union neben anderen Landesverbänden speist sich aus dem jahrzehntelang unangefochtenen Erfolg bei den Landtagswahlen. So ist der Wahltermin 2008 Dreh- und Angelpunkt aller weiteren Überlegungen.

Das christsoziale Fußvolk wird vielleicht keine Hymnen mehr auf diesen Vorsitzenden singen. Aber Fraktion wie Parteigliederungen werden sich nach Zugeständnissen hinsichtlich eines anderen Politikstils vorerst wieder hinter dem Heimkehrer scharen müssen. Vor allem auch, weil kurzfristig eine Nachfolgelösung am Patt Beckstein-Huber scheitert und die Zeit für neue Kronprinzen noch nicht reif ist, die offen fordern: "Der muss weg!"

In der Münchner Stube wird es daher zwar heißen: "Bauer, mir ham was zredn mitnand". Doch wagt sich niemand, den Austragsbauern persönlich aus der Tür zu schieben.

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