17.01.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar von Stefan Zaruba Die Kosten für Forschung sind hoch - doch sie zahlen sich aus

von Stefan Zaruba Kontakt Profil
Kommentar

Im Jahr 1337 haben die Oberpfälzer gezittert. "Ein fürchterlicher Komet erschien und zeigte sich beinahe drei Monate lang am Himmel", heißt es in einer Chronik. 1415 versetzte dann eine "schreckliche Sonnenfinsternis" die Ostbayern in Panik. Dass die Schweifsterne nur dampfende Brocken aus Eis und Staub sind, konnten die Menschen im Mittelalter nicht wissen. Und den Mond als Ursache einer Sonnenfinsternis kannten nur ein paar eingeweihte Astronomen.

Auch heute bewegen astronomische Schauspiele die Menschheit, aber unter anderen Vorzeichen. Die "SoFi" im Jahr 1999 war ein Popfestival. Und in leuchtenden Kometen wie Hale-Bopp 1997 erkennen nur unbelehrbare Schwarzseher noch ein böses Menetekel. Der Rest der Menschheit erfreut sich - je nach religiöser Überzeugung - einfach an der Schönheit der Natur, an der Schöpferkraft, die ihr zu Grunde liegt - oder an beidem. Im eben erst begonnenen Jahr dürfen wir mit offenen Augen und erstmals auch Ohren staunen. Die Landesonde "Huygens" lässt die Menschen in die Atmosphäre des Titan lauschen, eines Mondes, der den Planeten Saturn umkreist.

Das alles spielt sich in einer Entfernung von 1,2 Milliarden Kilometern ab. Eine astronomische Entfernung. Wie auch der Preis des Unternehmens astronomisch hoch ist. Etwa 2,5 Milliarden Euro kostete die gesamte Mission. Viel Geld, das Kritiker sinnvoller investiert sähen. Doch hinter den Investitionen in Raumfahrttechnik und Großteleskope auf der Erde steckt mehr als die Präsentation von Bildern und Zischlauten aus dem All. Astronomie ist eine der ältesten Disziplinen der Grundlagenforschung. Wir haben heute deswegen keine Angst mehr vor Kometen und Finsternissen, weil die Wissenschaft deren wahre Natur entlarvt hat.

"Tsunamis" und "Asteroiden - Gefahr aus dem All" sind beliebte Doku-Filme im TV-Nachtprogramm. Die eine Katastrophe hat sich ereignet. Und die andere? Seit Jahren spähen Teleskope nach so genannten Erdbahnkreuzern, himmlische Brocken, die unserem Planeten in die Quere kommen. Nicht nur in Hollywood-Filmen tüfteln Astronomen an der gewagtesten Mission aller Zeiten - der Abwehr eines gefährlichen Asteroiden. Die Grundlagen sind bereits vorhanden: Im Jahr 2000 setzte die Sonde "Near" auf einem solchen Asteroiden auf.

Ob Raumfahrtprojekte die Natur himmlischer Ereignisse entschlüsseln oder in ferner Zukunft Schutz vor kosmischen Bomben schaffen - in beiden Fällen helfen sie, die Menschen ruhiger schlafen zu lassen. So ist das Geld für Missionen ins All in jedem Fall gut angelegt.

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