09.02.2006 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar von Stefan Zaruba Die Renten-Nullrunde hilft der jungen Generation nicht weiter

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Kommentar

Die Hektik, in der das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf zusammenzimmerte, um zu verhindern, dass in diesem Winter nun auch noch das Dach der Rentenversicherung einzubrechen beginnt, zeigt einmal mehr den maroden Zustand des Systems. Hohe Arbeitslosigkeit und der Trend zu Minijobs reichen aus, um die Rentenkassen unter der Last ihrer Ausgaben ächzen zu lassen.

Zu lange vertraute man dem Leimbinder, die die Konstruktion für Jahrzehnte tragen sollte: Die Jungen sollen für die Alten zahlen und später selbst von ihren Nachkommen versorgt werden. Dumm nur, dass sich die Deutschen nicht mehr ausreichend vermehren.

Klar ist: Die Menschen, die Deutschland nach dem Krieg mit nichts in der Tasche wieder aufgebaut hatten, mussten ein Auskommen auch im Alter erhalten. Die nachfolgende Generation des Wirtschaftsbooms hat vom Umlagesystem am meisten profitiert: Nach stetig steigenden Einkommen konnte sie mit komfortablen Ruhestandsregelungen in den 80ern und 90ern ihren Abschied vom Arbeitsleben nehmen. Und sie machte - teils auch unter Druck - reichlich Gebrauch davon.

Wer dagegen heute ins Arbeitsleben eintritt, muss höhere Qualifikationen mitbringen als jemals zuvor, startet auf ungleich wackligerem Terrain und hat sinkende Realeinkommen hinzunehmen. Er muss in seinem Leben länger arbeiten - im Wissen, dass die gesetzliche Rente hinten und vorne nicht zum Leben reichen wird.

Gleichzeitig steigt der Erwartungsdruck an die Jungen: Vertrauen fassen sollen sie, aber keine Illusionen hegen. Konsumieren, aber auch kräftig privat vorsorgen. Flexibel sein, aber auch Familien gründen. Sicher ist an der Rente inzwischen vor allem eines: der allmonatliche Abzug eines erklecklichen Betrags vom Einkommen. Als Junger darf man sich da durchaus geleimt fühlen.

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