10.01.2006 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar von Stefan Zaruba Ein Rennen gegen die Zeit: Die Vogelgrippe rückt näher

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25 000 wilde Gänse, Enten und Zugvögel haben in der Europäischen Union bisher den Weg auf den Seziertisch gefunden. 25 000 Tests auf das hochgefährliche Vogelgrippe-Virus, die allesamt negativ verliefen. Auch in Zuchtbeständen: Fehlanzeige. Soweit die positive Nachricht vom Montag. Einfuhrverbote, strenge Kontrollen und der flächendeckende Stallarrest fürs Federvieh scheinen sich bewährt zu haben.

Doch die Anzeichen mehren sich, dass die Schutzmaßnahmen das Auftreten der Tierseuche in Mitteleuropa nur verzögern können. Mit dem Sprung über den Bosporus lässt das Virus den europäischen Kontinents erschaudern. Damit beginnt die Serie schlechter Nachrichten über H5N1, das gefürchtete Killervirus. Piepmätze machen nicht vor politischen Grenzen Halt, ihre sprichwörtliche Vogelfreiheit wird die Tierkrankheit über kurz oder lang weiter verbreiten.

Das heißt aber nicht, dass sich Europa diesem Schicksal ergeben muss. Im Gegenteil, die bisherigen "Bodenkontrollen" an Flughäfen und Grenzübergängen dienen zumindest dem Zeitgewinn. Dieser ist bitter nötig, um die Bevölkerung vor dem zu schützen, was seit Jahren als Schreckgespenst einer weltweiten Grippe-Epidemie Erinnerungen an das dunkle Zeitalter der Pest wachruft.

Die Meldungen über die Infektion von Menschen in der Türkei klingen nicht sonderlich beruhigend. Findet das Vogel-Virus doch einfacher den Weg in den menschlichen Körper als Experten bisher glauben machten? Immerhin starben gleich drei Geschwister an der Krankheit. Und zwei weitere Kinder sollen sich bei umherliegenden, gebrauchten Schutz-Handschuhen infiziert haben.

Umso wichtiger ist die Entwicklung und massenweise Herstellung wirksamer Medikamente und zumindest der Prototypen von Impfstoffen. Hier muss die Politik - auch mit Forschungsgeldern - klotzen statt kleckern. Denn falls die Vogelgrippe zur menschlichen Pest mutiert, brauchen wir uns um ein paar Hühnerbestände keine Sorgen mehr machen - dann geht es ums nackte Überleben.

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