26.04.2006 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar | Von Stefan Zaruba Für mehr Kinder sind auch mehr Anstrengungen nötig

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Kinder sind kein Privatvergnügen. Kinder sichern die Existenz dieser Gesellschaft. Wenn es ums nackte Überleben geht, muss man klotzen, nicht kleckern. Das haben die Regierenden überwiegend verinnerlicht. Allein: Sie sind nicht bereit, die tatsächlich nötigen Gelder bereitzustellen.

Die große Koalition folgt der Tradition deutscher Ankündigungs-Regierungen. Das geplante Elterngeld, das der Finanzminister zusammenkratzt, klingt nach einem Batzen für die Familien. Doch hat es sich Peer Steinbrück schon auf Heller und Pfennig - und darüber hinaus noch ein bisschen mehr - aus anderen Taschen der Eltern geholt: bei der einkassierten Eigenheimförderung und der Mehrwertsteuer zum Beispiel.

Immer wenn die Sache an sich zu mühsam ist, machen sich einige Profilschärfer in den Parteien auf Nebenkriegsschauplätzen wichtig. Da wären die "Vätermonate" zu nennen, gegen die sich rein praktische Argumente anführen ließen. Doch einigen Männern der Union passte aus ideologischen Gründen die Regelung nicht - zwischen "Hausherr" und "Hausfrau" liegen für sie nämlich Welten. Zehn Monate Elterngeld plus zwei, falls der Mann mitspielt, das galt als Gängelung. Der neue Vorschlag der CSU lautet auf zwölf Monate plus zwei als Dreingabe. Ein Geniestreich!

Ob mit oder ohne "Vätermonate" ist das Elterngeld nur eine Starthilfe für kinderlose Doppelverdiener. Dass auch sie in der Entscheidung für ein Kind unterstützt werden, ist richtig. Aber um die deutsche Gesellschaft auf breiter Basis kinderfreundlicher zu gestalten, sind noch weit größere Anstrengungen nötig. Kinderreiche Familien, die vielfach Gefahr laufen, in die Armut abzugleiten, verdienen eine noch mutigere Förderung.

Und Deutschland braucht ein ähnlich dichtes Netz von Betreuungsangeboten, wie es etwa Frankreich hat. Das schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Es begleitet ab einem bestimmten Alter die frühkindliche Erziehung. Und es hilft obendrein gut qualifizierten Frauen, im Berufsleben zu bleiben. Unserem Land mangelt es ja an beidem: an Kindern und an Leistungsträgern.

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