09.03.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar von Stefan Zaruba Gerechtigkeit für alle auf dem Balkan heißt Härte gegen alle

von Stefan Zaruba Kontakt Profil
Kommentar

Die Tragödie auf dem Balkan ist das dunkelste Kapitel europäischer Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg. Gerade auch weil Zögern und Taktieren der Großmächte die Mörder und Vergewaltiger von Kroatien bis zum Kosovo lange gewähren ließen. Die Richtung, aus der damals die Granaten geflogen kamen, teilten die Volksgruppen für jeden Fernsehzuschauer in Täter und Opfer.

Nach drei großen Balkankonflikten schweigen zwar die Waffen, der Frieden ist damit aber in keiner der Regionen gewonnen. Kroatien hat sich noch nicht mit einem Heer geflüchteter Serben aus der Krajina ausgesöhnt, in Bosnien-Herzegowina leben die drei Volksgruppen in Parallelgesellschaften nebeneinander. Und der künftige politische Status der fast nur noch von Albanern bewohnten serbischen Provinz Kosovo birgt Zündstoff für neue Waffengänge.

"Es gibt hier nur Starke und Schwache", sagte ein deutscher Offizier einmal. In der Atmosphäre von Hass und Misstrauen haben die Besatzungstruppen von Eufor und Kfor gelernt, nicht mehr nach gut und böse zu unterscheiden. Was direkt zu einem der Kernprobleme führt: Auf allen Seiten fallen die Parolen neuer Scharfmacher und alter Zündler auf fruchtbaren Boden. Angesichts des wirtschaftlichen Siechtums auch kein Wunder.

Der konsequenten Verfolgung aller Kriegsverbrecher kommt daher eine besondere Bedeutung zu. Auch Albaner im Kosovo haben nach Ansicht der Den Haager Ankläger Kriegsverbrechen begangen. Und auch sie gehören raus aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Armee. Die Festnahme des albanischen Regierungschefs, der dieser durch seinen freiwilligen Gang zum Tribunal zuvorkommt, ist in der Krisenprovinz höchst unpopulär. Proteste können jederzeit losbrechen. Die Kfor muss ihnen massiv entgegentreten.

Die Ankläger um Carla del Ponte sind erfolgreicher als man einst hoffen durfte. Politischer Druck, Regierungswechsel auf dem Balkan und Durchsetzungswille der internationalen Truppen füllen die Gefängniszellen. Noch fehlen die Top-Angeklagten: Radovan Karadzic, Ratko Mladic und der Kroate Ante Gotovina. Die Hoffnung wächst, dass auch sie in nicht allzu ferner Zukunft zur Rechenschaft gezogen werden. Die Opfer der Balkan-Kriege hätten es verdient. Und womöglich würde es auch die Warlords des neuen Jahrtausends beeindrucken. Am Montag rangen sich auch die UN öffentlich zu der Erkenntnis durch, dass sie dem Morden in Darfur zu lange zugesehen haben - wieder einmal.

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