14.12.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar von Stefan Zaruba Gnade nur für die netten Todeskandidaten?

von Stefan Zaruba Kontakt Profil
Kommentar

"Tookie" Williams ist tot. Gestorben um Punkt 0.35 Uhr amerikanischer Westküstenzeit. Das bleibt festzuhalten, weil es interessant sein wird, wie lange die amerikanische Öffentlichkeit braucht, um wieder einmal eine Aufsehen erregende Hinrichtung zu vergessen. Mögen es Wochen sein oder nur Tage? Vielleicht spricht schon niemand mehr über die Exekution des berühmten Häftlings, wenn demnächst der nächste, dann unbekannte Sträfling an der Giftspritze zugrunde geht.

In mehreren US-Bundesstaaten walten die Scharfrichter im Wochenrhythmus ihres Amtes. Nur eine runde Zahl - wie kürzlich die tausendste Hinrichtung seit Wiedereinführung der Todesstrafe - oder ein bekannter Name lassen das Häuflein der Protestierer vor den Todestrakten anwachsen.

Der Fall Williams - Schwarzenegger war so ein Anlass für einen kurzen Aufstand der Anständigen. Hier der einstige Blockbuster-Held Arnold Schwarzenegger. Dort Stanley "Tookie" Williams, ein Straßenkrimineller der üblen Art aus Los Angeles, inzwischen geläutert und in der Prävention aktiv. Stoff für ein Drehbuch. "Dead Man Walking", dieses Mal eben live und echt.

Der Bandenchef war unter den zahlreichen Delinquenten sicherlich einer, auf den das Prädikat Waisenknabe nicht passte. Kein Minderjähriger, der drogenberauscht beim Überfall auf einen Schnapsladen um sich schießt. Nein, Williams war in Freiheit ein ganz schwerer Junge. Er führte einen blutigen Krieg auf der Straße. Hätten sich so viele seiner Landsleute auch für "Tookie" eingesetzt, wenn er nicht angefangen hätte, in der Todeszelle Bücher für Kinder zu schreiben?

Wohl kaum, und das zeigt das verlogene Moment, das dem Umgang mit der Todesstrafe in den USA innewohnt. Staatlich verordnete Tötung wird nur dann anstößig, wenn ihr ein vorgeblich "guter" Mensch zum Opfer fallen könnte. Arnold Schwarzenegger, der gerade um sein politisches Überleben ringt, hat da keine Ausnahme gemacht. Er begründete seine Gnadenlosigkeit auch damit, dass sich "Tookie" für die ihm zur Last gelegten Morde nicht entschuldigt habe. Morde, die er stets geleugnet hatte.

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