16.01.2006 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar von Stefan Zaruba Gnadenlos: Schwarzenegger lässt einen alten Kranken töten

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Wenn an diesem Dienstag die Zeit für Clarence Ray Allen gekommen ist, werden in der Berichterstattung über seine Hinrichtung viele der üblichen Floskeln nicht auftauchen. Einen "letzten Gang" wird es schwerlich geben, der Mann sitzt im Rollstuhl. Seinem Henker kann er also ebensowenig "gegenübertreten", wie ihm "in die Augen sehen". Er ist blind. Und Clarence Ray Allen dürfte auch wenig von dem hören, was ihm der Staat Kalifornien vor dem Tod noch zu sagen hat. Im Alter von 76 Jahren hat ihn das Gehör im Stich gelassen.

Je makabrer und zynischer die Gedankenspiele rund um den bevorstehenden Tod Allens sind, desto sichtbarer machen sie die Perversion der amerikanischen Justiz im dritten Jahrtausend. Mit Clarence Ray Allen soll am Dienstag ein körperliches Wrack sterben. Ja, er war ein Schwerverbrecher, vielleicht hat er auch die Mordaufträge gegeben, die er bis heute bestreitet. Doch er "schmort" schon seit den 70er Jahren im Gefängnis. Nach deutschen Maßstäben hätte er schon lebenslänglich abgesessen - oder käme zumindest wegen Haftunfähigkeit frei.

Terry Davis, Generalsekretär des Europarates, hat in einem öffentlichen Appell Gouverneur Arnold Schwarzenegger höchst undiplomatisch, doch völlig mit Recht wegen des Falls Clarence Ray Allen angeprangert: "Durch eine Hinrichtung in seinem hohen Alter und Jahrzehnte nach dem verübten Verbrechen würden ihn die Behörden an Grausamkeit und Rachsucht noch übertreffen."

Aber der einstige Film-"Terminator" verweigerte nach dem bekanntesten amerikanischen Todeskandidaten der letzten Jahre, "Tookie" Williams, nun auch dem Senior unter den Todgeweihten die Gnade. Läuterung und Bekehrung im Knast zählen ebensowenig wie hohes Alter und Behinderung. Die letzte Begnadigung in Kalifornien sprach übrigens auch ein Ex-Schauspieler aus. Ronald Reagan ließ sich damals erweichen. Das war 1967.

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