Kommentar von Stefan Zaruba
Gründlich aufklären, statt sich schnell aus der Affäre zu ziehen

Konsequenter Wirt. Karikatur: Tomicek
Wer den sonst so trägen Politikbetrieb gewohnt ist, dem kann schwindlig werden angesichts der Entwicklung der Verwandtenaffäre. Fast täglich neue Namen, dann Rücktritte und eine beispiellose Enthüllungsaktion seitens der Landtagspräsidentin. Und schließlich das handgeschmiedete Drei-Punkte-Programm Horst Seehofers.

Der CSU-Chef mit Gespür für die Nöte und die Empörungsfähigkeit der Menschen hat heftig reagiert - wenn nicht gar überreagiert. Der Ministerpräsident legt Mitgliedern seiner Regierung nahe, Geld an den Staat zurückzuzahlen und manövriert sich damit in ein Dilemma. Denn entweder haben sie anständig gehandelt und sollten das Geld behalten. Oder sie haben sich - wenigstens moralisch - zu Unrecht bereichert und müssten politisch die Konsequenzen tragen, also gehen.

So entsteht eine Schwarz-Weiß-Malerei, die die Zwischentöne des Lebens ausblendet. Der Fall Albert Rupprecht zeigt, wie verzwickt die Lage auch sein kann. Ankläger und Aufklärer sind in den vergangenen Tagen vorgeprescht, doch es muss Gründlichkeit vor Schnelligkeit gehen. Das haben die Wähler verdient - und die Betroffenen.
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