Kommentar von Stefan Zaruba
Grüne Umverteilung mit Anleihen bei einer Räuberlegende

Viele Robin Hoods. Karikatur: Tomicek
Mit der Gerechtigkeit ist es so eine Sache. Bibliotheken ließen sich mit theoretischen Abhandlungen über Gerechtigkeit füllen. Der Politikbetrieb hat den Begriff zur Worthülse ausgeschliffen. Eine ideale Voraussetzung, um ihn im Wahlkampf immer wieder gefahrlos zu plakatieren. Nun also haben sich die Grünen für einen "Gerechtigkeits"-Wahlkampf an der Seite der SPD entschieden.

Cem Özdemir bemühte auf dem Grünen-Parteitag das Zerrbild von Robin Hood, um den geplanten Umverteilungskurs der Partei zu beschreiben. Die Männer von Sherwood Forest waren nicht dafür bekannt, dass sie sich an die Bäume dort angekettet haben. Sie raubten der Legende nach wohlhabende Menschen aus. Winfried Kretschmanns Unbehagen ist nachvollziebar. Der Regierungschef macht Realpolitik an einem Top-Industriestandort.

Trotz aller Gesten zur Geschlossenheit wird Kretschmanns Mahnung bis zum Wahltag nachhallen. Denn auch der gut verdienende bisherige Grünen-Wähler könnte sich bis dahin Gedanken machen, was er für gerecht hält. Und er könnte zu dem Schluss kommen, dass er zwar mit weniger Atomstrom, weniger Legehennen und weniger Rüstungsexporten leben will - aber nicht mit weniger Geld in der Tasche.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.