22.04.2006 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar | Von Stefan Zaruba Jörg Schönbohm hat sich im Amt disqualifiziert

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Eine Worthülse, um die sich Journalisten nicht immer drücken können, bilden die "ermittlungstaktischen Gründe". Diese schieben Polizei und Staatsanwaltschaft vor, wenn sie keine Details über Verbrechen und ihre Fahndungsmaßnahmen herausrücken. Ermittler tun dies nicht aus falscher Bescheidenheit - sie verkaufen eigentlich lieber Erfolge. Es ist nur schlicht nicht hilfreich, wenn Täter in der Zeitung lesen, wie nah ihnen die Kripo bereits auf den Fersen ist.

In der heißen Phase der Fahndung nach den Schlägern von Potsdam half alles Mauern der Behörden nichts. Ausgerechnet der Innenminister von Brandenburg plapperte im Fernsehen schon etwas von der heißen Spur daher. Deutschlands Chefermittler Kay Nehm putzte diesen Jörg Schönbohm am Freitag dafür öffentlich herunter. Völlig zu Recht.

Es ist schon ein unerhörter Vorgang, wenn ein Politiker, der gerne den Besserwisser beim Thema Innere Sicherheit gibt, derart rücksichtslos die Grundregeln des Polizeihandwerks missachtet. Schönbohm hat wieder einmal gezeigt, was er ist - eine Plaudertasche. Und er hat gezeigt, was er nicht ist - ein Staatsmann. Und als Dienstherr für die Polizeibeamten in Brandenburg hat der CDU-Mann mit dem Rüffel vom Generalbundesanwalt an Autorität verloren.

Schönbohm hätte in diesen Tagen besser den Mund gehalten. Wie sein Parteifreund Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble versuchte auch er, rechte Motive für den Mordversuch an einem Farbigen in Frage zu stellen. Bedenklich genug angesichts des unzweideutigen Telefonmitschnitts der Tat. Doch Schönbohm tat dies auch noch am Freitag entgegen des "dringenden Verdachts" der Bundesanwaltschaft.

Offenbar kann auch in Brandenburg nicht sein, was nicht sein darf. Da passt auch der übliche Fingerzeig ins Bild: In anderen Ecken der Erde ereigneten sich solche Überfälle ebenso. Schon wahr. Aber wie viele Länder werben in diesem Jahr mit "Die Welt zu Gast bei Freunden"?

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