19.10.2012 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar von Stefan Zaruba Respektloses Gezwitschere unter dem Bundesadler

Das Duell. Karikatur: Tomicek
von Stefan Zaruba Kontakt Profil
Kommentar

Angela Merkel und Peer Steinbrück kommen in Fahrt. Ein Jahr vor der Wahl haben sich die Spitzenkandidaten ein Rededuell geliefert. Zum wichtigsten Thema und an dem Ort, wo die Debatte hingehört, dem Bundestag. Merkel und Steinbrück haben klug und pointiert argumentiert. Der Herausforderer attackierte, die Amtsinhaberin reichte die Hand. Eine spannende Situation.

Zu einer Sternstunde der parlamentarischen Streitkultur wurde es für die Zuschauer aber nicht, und das lag am äußeren Rahmen. Ein ordentlicher politischer Schlagabtausch zu einer solch brisanten Problematik würde davon leben, dass man in den Momenten vor dem Applaus eine Stecknadel fallen hören könnte. Doch der Atem stockte schon deshalb niemandem im Plenum, weil ein guter Teil der Abgeordneten nicht an den Lippen der Redner hing, sondern an ihren Smartphones.

Die Unsitte - selbst von Spitzenpolitikern - während laufender Debatten an Mobiltelefonen herumzunesteln, signalisiert vor allem eins: Desinteresse. Wenn jemand auf den Bänken des Parlaments meint, seine Ergüsse seien gerade bedeutender als die des Redners, sollte er ans Mikrofon treten. Wichtigtuereien für Twitter kann er auf stilleren Örtchen tippen als dem Bundestagsplenum.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.