15.04.2006 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar | Von Stefan Zaruba Sanktionen gegen den Iran verlangen uns allen Opfer ab

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Kommentar

Die Teilnehmer der Ostermärsche beschwören in diesem Jahr eine friedliche Lösung des Konflikts um das iranische Atomprogramm. Wer wünscht sich das nicht? Friedlich im Sinne von "nicht mit militärischen Mitteln" heißt aber nicht, dass niemand dafür Opfer bringen muss. Die aktuellen mit der Irankrise begründeten Osterrekorde bei Sprit- und Ölpreisen sind nur ein Vorgeschmack auf das, was ein Embargo am Persischen Golf der Welt bescheren würde.

Mahmud Ahmadinedschad wird gerne als der "Irre" aus Teheran hingestellt. Doch der Hasardeur kennt den Wert seiner gigantischen Ölblase, auf der er sitzt, als Faustpfand sehr genau. Und er hat - anders als seinerzeit Saddam Hussein - ein auf Hochtouren laufendes Nuklearprogramm. In diesem Wissen spuckt der Präsident schon große Töne: Der Iran sei eine Atommacht. Die Welt habe das zu respektieren. Basta.

Anders als einst das Saddam-Regime meint Teheran, es sich leisten zu können, den obersten Atomwächter Mohamed ElBaradei zu brüskieren. ElBaradeis Mission im Iran zeugt von redlichen Bemühungen um eine friedliche Lösung. Doch er wurde lange in die Irre geführt. Heute gibt sich der Iran keine Mühe mehr, seine militärischen Fähigkeiten zu verheimlichen. Im Gegenteil: Vor der Weltöffentlichkeit prahlt das Regime mit neuesten Raketen und Turbo-Torpedos.

Ahmadinedschad hat in dieser Woche auch Russland und China vor den Kopf gestoßen. Im Verbund mit den beiden Weltmächten muss sich der Westen nun rasch klar werden, wie weit er gehen wird, wenn er das Mullah-Regime noch stoppen will. Dazu gehört auch, den Menschen hierzulande zu sagen, welche bitteren wirtschaftlichen Folgen Sanktionen auch für jeden Einzelnen nach sich ziehen können. Die letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass Deutschlands Wirtschaft in Siechtum verfällt, sobald die Weltkonjunktur hüstelt.

Zum Nulltarif gibt es nur wenige Druckmittel. Ein Einreiseverbot für den politischen Brandstifter aus Teheran zur Fußball-WM in Deutschland wäre aber ein erster solcher Schritt, der auch wegen seiner antisemitischen Hetze angezeigt ist. Dagegen dürften auch die Ostermarschierer nichts einzuwenden haben.

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