20.04.2006 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar | Von Stefan Zaruba Sprit-Sparen beginnt mit unbequemen Fragen

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Die Preisrallye an den Ölmärkten und an den Tankstellen geht in diesem Frühjahr munter weiter. Die boomenden Industrien in Fernost dürsten nach wie vor nach ihrem wichtigsten Rohstoff, und die prekäre Lage am Persischen Golf wird sich so rasch nicht entspannen. Zudem startet im Juni die Hurrikansaison vor der Haustür der USA, neue Preisstürme drohen.

Neben dem Heizölkauf zeigt vor allem ein Stopp an der Zapfsäule, wie es um die politische Großwetterlage bestellt ist. Dabei sind in den Preisen erst düstere Vorahnungen enthalten. Ein offener neuer Konflikt im Nahen Osten würde die Spritpreise schlagartig auf nie dagewesene Höhen treiben. Der Autofahrer muss all dies zunächst schlucken. Doch so wehrlos, wie er gerne hingestellt wird oder sich auch selbst darstellt, ist er nicht.

Die üblichen Schuldzuweisungen sind bereits über alle Kanäle geblasen worden. Politiker schwärzen die Ölkonzerne an, die wiederum leiern ihre Rechnung vom hohen Steueranteil herunter. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland richtet den Finger auf die Autobauer und beklagt, sie würden vor allem Spritfresser in ihrem Sortiment in der Werbung herausstellen. Tatsache ist aber, dass Unternehmen nur Produkte anbieten und bewerben, die sie auch verkaufen können. Nahezu jeder Hersteller hat Sparmodelle in seiner Flotte, bis hin zu echten Dreiliter-Autos. Wenn diese ein Nischendasein fristen, liegt es vor allem daran, dass die Kunden ihre Prioritäten anders setzen.

Jeder für sich hat es in der Hand, an der eigenen Kostenschraube zu drehen. Dafür muss man sich natürlich unbequeme Fragen stellen. Etwa: Was ist beim Kauf des nächsten Autos wichtiger - Verbrauch oder Kofferraumvolumen? Oder: Sind mir Design-Felgen mehr wert als spritsparende Reifen?

Und natürlich: Hat wirklich jede Spritztour ihre Berechtigung? Keine Frage: Pendler auf dem Land müssen morgens zur Arbeit kommen. Aber so lange junge Fahrer abends mit PS-starken Karossen auf Großparkplätzen den Gummi qualmen lassen, scheint für sie der Sprit noch nicht zu teuer zu sein.

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