26.10.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar von Stefan Zaruba Stuttgarter Erfolgsgeschichte braucht einen neuen Autor

von Stefan Zaruba Kontakt Profil
Kommentar

Die Baden-Württemberger können alles, sagen sie. Außer Hochdeutsch. Diesen Schönheitsfehler verzeiht man gerne, schrauben die charmant schwäbelnden Arbeiter im Musterländle doch Exportschlager wie Porsche und Mercedes zusammen. Die Botschaft ihrer Eigenwerbung deckt sich mit dem bayerischen "Laptop und Lederhose": Hier wie dort mögen die (Kuckucks-)Uhren anders gehen als im Rest der Republik. Aber in ihrer Dynamik sehen sich die Südländer immer einen Tick voraus.

Die wirtschaftliche Spitzenstellung des Südwestens scheint gottgegeben - ebenso wie die seit 1953 währende CDU-Herrschaft in Stuttgart. Erwin Teufel hat 13 Jahre lang diese Politik mitbestimmt. Sein baldiger Rücktritt erfolge dem Land zuliebe, wie er sagt. Das nämlich stehe bei ihm an erster Stelle. Dann die Partei. Und schließlich seine persönlichen Anliegen.

Der Abtritt des dienstältesten Landesfürsten kommt in Wahrheit einer Abberufung gleich. Mehrere Gruppierungen in der Partei hatten - anders als im Fall Merkel - tatsächlich eine Kampagne gegen den Altvorderen unternommen. Sie drängten auf den Generationswechsel während der laufenden Wahlperiode. Teufel dagegen wollte weiter offen lassen, ob er seine Regentschaft nicht sogar verlängert.

Die Wahlen 2006 hätte der Landesvater wohl gewonnen. Teufel verwies gerne auf Umfragen, die seine außerordentliche Beliebtheit im Ländle belegen sollten. Die Baden-Württemberger seien höchst zufrieden damit, wie sie von seinem Kabinett regiert würden. Doch die Betrachtung solcher Umfragewerte zeigt nur eine Seite der Medaille. Nämlich, dass die Regierung Teufel in der Vergangenheit gute Arbeit geleistet hat - und dabei offenbar noch niemandem wirklich schmerzliche Einschnitte zumutete.

Dabei ist der von Schulden geprägte Haushalt des Landes gerade noch verfassungskonform. Die Regierung reagiert, anstatt mutig zu gestalten. Aber auch in Baden-Württemberg reicht ein "weiter so" auf Dauer nicht aus. Andere machen es vor: Im Freistaat hat Edmund Stoiber mit seiner Haushaltskonsolidierung einen schmerzhaften Weg eingeschlagen, der jedoch neue Perspektiven eröffnet.

Im Konzert der Unions-Länderchefs ist die Stimme des Stuttgarters obendrein dünn geworden. Mit einem Generationswechsel wollten Teufels Kritiker nicht einfach ein jüngeres Gesicht an die Macht befördern, sondern einen Ministerpräsidenten, der neue Dynamik ins Ländle bringt. Dass sie es ernst meinten, war spätestens nach den Eskalationen der letzten Wochen auch Teufel klar. Ob er sich letztlich von seinen selbst gesetzten Prioritäten leiten ließ, oder nicht - tatsächlich hat Erwin Teufel allen einen großen Gefallen getan: dem Land, der CDU und sich selbst.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.