29.08.2008 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar von Uli Piehler Der Kalte Krieg der Worte kühlt die Gemüter nicht

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Es blitzt und donnert gewaltig in der politischen Großwetterlage Europas. Die Gewitterwolken, die seit dem Einmarsch georgischer Soldaten in der Stadt Zchinwali aufgezogen sind, nehmen sich bedrohlich aus. Doch statt für ein bisschen Abkühlung zu sorgen, heizen Russland und erstaunlicherweise auch der Westen das schwülheiße Klima weiter an.

Dass Russland Dampf ablässt, erscheint einigermaßen nachvollziehbar. Der Westen hat das - noch immer sehr mächtige - Riesenreich seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion nur allzu oft auf der internationalen Bühne vorgeführt und damit gedemütigt. 2007 legte Wladimir Putin bei der Münchner Sicherheitskonferenz eine lange Liste von Anklagepunkten vor. Den USA unterstellte er das Streben zu "monopolarer Weltherrschaft". Die Nato warnte er vor "ungezügelter Militäranwendung". Nordatlantik-Allianz und Europäische Union würden anderen Ländern ihren Willen aufzwingen und auf Gewalt setzen, so Putin. Die Nato-Osterweiterung kritisierte Russlands Präsident massiv, weil deren militärische Infrastruktur "bis an unsere Grenzen" heranreiche. Seine Botschaft kam irgendwie nicht an. Erst Anfang des Jahres erkannte der Westen das Kosovo an - gegen die ausdrücklichen Warnungen Russlands und auf einer völkerrechtlich ebenfalls diskussionswürdigen Basis. Warum das Entsetzen jetzt - nach der Retourkutsche aus Moskau - groß ist, verwundert schon.
Der Kalte Krieg der Worte vermag die aufgeheizte Atmosphäre nicht abzukühlen. So wie es aussieht, sehnt sich Russland weniger nach eisiger Rhetorik als vielmehr nach warmen Gesten. Diese auszuklügeln ist jetzt Aufgabe des Westens. Er sollte ein lebendiges Interesse daran haben, dass sich das im Osten stehende Gewitter verzieht. Nicht aus Angst vor einem Krieg, sondern in Anbetracht der globalen Herausforderungen, die gemeinsam mit Russland angepackt werden müssen.

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