11.08.2007 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar von Uli Piehler Die "blauen Landkreise" als Blaupause für die Politik

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Kommentar

Ob die nördliche Oberpfalz ihr blaues Wunder erlebt? Glaubt man den Zahlen des Statistischen Landesamtes, dürfen wir uns mittelfristig darauf gefasst machen. Entvölkerung prognostiziert die Behörde. Die Region und weite Teile Nordbayerns sind blau eingefärbt und viele sehen schwarz.

Bei aller Kompetenz des Statistischen Landesamts ist auch diese Expertise nur eine Prognose. Eine Vorhersage, die sich nach bestimmten angenommenen Faktoren richtet. Den Statistikern geht es dabei immer ein bisschen wie den Meteorologen. Ändern sich die Voraussetzungen nur geringfügig, ist die ganze Arbeit Makulatur. Bestes Beispiel: Die grandiose Studie über das erwartete Verkehrsaufkommen an der Grenze in Waidhaus. Die Zahlen sind heute doppelt so hoch, wie in den 90er Jahren vorhergesagt.

Trifft die Bevölkerungsstudie dennoch zu, leben und arbeiten auch 2025 noch mehr als eine halbe Million Menschen im nördlichen Teil des Regierungsbezirks. Lebensqualität ist zunächst einmal ein subjektives Gefühl, das wenig damit zu tun hat, wie dick Einwohnerkarteien sind. Und die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit einer Region hängt nicht unbedingt von Kopfzahlen ab, sondern davon, welches Potenzial in den Köpfen steckt. Es kommt darauf an, was die Oberpfälzer leisten, welche Visionen sie haben. Die Aufholjagd der Region in den vergangenen Jahren unterstreicht das eindrucksvoll.

Natürlich wäre der prognostizierte Bevölkerungsschwund in vieler Hinsicht problematisch. Ein Rückschlag für alle Bemühungen, Infrastruktur zu erhalten oder gar auszubauen, gleiche Bildungschancen und flächendeckende medizinische Versorgung zu gewährleisten. Jetzt liegt eine Studie vor, die eine Steilvorlage für alle Anläufe in diese Richtung ist. Ein Plädoyer für den Bau von "Leuchttürmen" im ländlichen Raum. Eine ideale Blaupause für die Zukunftsprojekte der Politiker zu einer günstigen Zeit. Jetzt, da die Staatsregierung das Programm "Bayern 2020" festzurrt. Im Untertitel des Maßnahmenpakets muss dick "Nordbayern 2020" stehen.

Nun heißt es anpacken, statt zu lamentieren. Dann wird auch diese Prognose - wie die Verkehrszahlenstatistik - ordentlich daneben liegen. Ohne schönfärben zu wollen - aber die Studie mit den blauen Landkreisen ist kein Grund zum Schwarzmalen.

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