16.01.2009 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar von Uli Piehler Mit der Abwrackprämie auf Schlingerkurs

von Uli Piehler Kontakt Profil
Kommentar

Da hat die Bundesregierung doch mal Gas gegeben: Die Abwrackprämie, so verkündete der Regierungssprecher am Mittwoch, gilt ab sofort. Viele Besitzer älterer Autos ließen bei dieser Nachricht vor Begeisterung erst mal den Motor aufheulen. Den längst fälligen Neuwagen anschaffen und dabei 2500 Euro vom Staat kassieren - das verspricht Freude am Fahren.

Der Kabinettsbeschluss zur nationalen Verschrottungsaktion wurde im Eiltempo gefasst. Ohne langes Vorglühen. Ob der Kaltstart dem Konjunkturmotor wirklich auf die Sprünge hilft? Die Kritiker haben schon Fahrt aufgenommen. Natürlich befürchten die Oppositionsparteien, aber auch etliche Wirtschaftsexperten und sogar der ADAC, dass der Turbo für die Autoindustrie ausbleibt. Worin der Nutzen liegt, wenn Leute ihr Auto verkaufen, um sich dann mit den 2500 Euro einen Japaner zuzulegen, fragt sich nicht nur Otto Graf Lambsdorff. Schließlich stammt nur etwa die Hälfte der hierzulande gekauften Neuwagen aus deutscher Produktion.

Bevor sie überhaupt die parlamentarischen Gremien durchlaufen hat, befindet sich die Abwrackprämie auf Schlingerkurs. Sie soll am 27. Januar von den Ministern abschließend behandelt werden. Erst im Februar passiert sie Bundestag und Bundesrat. Bis dahin sind noch etliche Hindernisse zu umfahren. Auch wenn viele Autofahrer den Taschenrechner zücken - die Modalitäten sind völlig offen. Da kann, wer durchstarten will, schnell beim Abschleppdienst landen.

Und auch ein ethisch fragwürdiger Beigeschmack bleibt: Für den neuen Wagen gibt der Staat 2500, für ein Kind 100 Euro. Nachhaltige Politik sieht anders aus.

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