07.03.2018 - 22:04 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zu Urteilen gegen Freital-Gruppe Freital-Urteile mit Strahlkraft

Die Urteile dürften einigen Wirbel machen. Bis zu zehn Jahre Haft für die Mitglieder der "Gruppe Freital" wegen Terrorismus und versuchten Mordes. Es ist die Ahndung mehrerer Sprengstoffanschläge auf politische Gegner und Flüchtlingsunterkünfte, mit denen die Gruppe 2015 in einer fremdenfeindlich aufgeheizten Stimmung in Sachsen ein Klima der Angst schaffen wollte.

von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil

Was wurde während der Prozessdauer nicht alles "strafmildernd" ins Feld geführt. Bis hin zum verniedlichenden "Lausbubenstreich mit tschechischen Böllern" wurden die Taten teilweise öffentlich heruntergeredet. Es ist höchste Zeit, dass solche Relativierungsversuche aufhören: Dass es keine Schwerverletzten oder Tote gab, ist nichts anderes als ein glücklicher Zufall, aber sicher nicht das Zutun der Täter und damit kein Argument für niedrigere Strafen. In Zeiten schleichender Grenzüberschreitungen à la "Wird man doch noch sagen dürfen", darf "sagen" keinesfalls durch "machen" ersetzt werden.

In kleinen, das Gewissen nach und nach ausdehnenden Dosen, hat Schriftsteller Stefan Zweig einst den Siegeszug des Nationalsozialismus beschrieben. Die rechtsradikale Szene hat nun ihrerseits eine kräftige Dosis zum Schlucken bekommen, die ihr nicht schmecken dürfte. Eine, die nicht zu hoch, sondern angemessen ausgefallen ist. Die Justiz hat ein Zeichen gesetzt, dass extremistische Verbrechen - ob rechts, links oder islamistisch motiviert - mit aller gebotenen Härte bestraft werden müssen.

tobias.schwarzmeier[at]oberpfalzmedien[dot]de

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