17.08.2017 - 21:32 Uhr
Deutschland & Welt

Lage in venezuela dramatisch Massaker in Gefängnis

Die Lage im Krisenland Venezuela ist dramatisch. In einer abgelegenen Anstalt in der Amazonasregion sterben Dutzende Häftlinge nach Feuergefechten mit schwer bewaffneten Sicherheitskräften. Der Gouverneur spricht von einem Massaker - auch ein Konflikt mit Guerillas spielt eine Rolle.

Soldaten versperren die Zufahrt zum Gefängnis von Puerto Ayacucho in Venezuela. Schwer bewaffnete Sicherheitskräfte haben am Mittwoch das Gefängnis gestürmt. In einem Feuergefecht sind 37 Insassen gestorben. Bild: AFP/ Amazonas Government Press Office
von Agentur DPAProfil

Puerto Ayacucho. Bei der Erstürmung eines Gefängnisses durch Polizei- und Militäreinheiten sind in Venezuela 37 Häftlinge getötet worden. Das teilte der Gouverneur des Bundesstaats Amazonas, Liborio Guarulla, mit. Zu der Eskalation kam es am Mittwoch (Ortszeit) in der Amazonasstadt Puerto Ayacucho, als das Gefängnis von schwer bewaffneten Sicherheitskräften gestürmt wurde, um den Inhaftierten Waffen abzunehmen, die hineingeschmuggelt worden waren. Puerto Ayacucho liegt am Orinoco im Regenwaldgebiet an der Grenze zu Kolumbien, 700 Kilometer südlich der Hauptstadt Caracas. Gouverneur Guarulla kritisierte den Einsatz scharf und sprach von einem "Massaker". Zeugen berichteten von wilden Schießereien.

Die Tragödie ereignete sich mitten in einer der dramatischsten Krisen des Landes. Dem sozialistischen Staatschef Nicolás Maduro wird die Errichtung einer Diktatur vorgeworfen. Die Sicherheitslage im Land mit den größten Ölreserven der Welt ist extrem angespannt, die Lage in den Gefängnissen auch wegen der Versorgungskrise katastrophal. Viele Häftlinge sind abgemagert, zuletzt kam es gehäuft zu Aufständen. Im April starben in Barcelona an der Karibikküste zwölf Menschen.

Häftlinge bewffneten sich

Vor der Anstalt waren dutzende wütende Angehörige zu sehen, die Informationen verlangten. Die Generalstaatsanwaltschaft Venezuelas teilte mit, es habe neben den 37 toten Häftlingen auch 14 Verletzte unter den Sicherheitskräften gegeben. Laut Zeugenberichten kam es bei der Erstürmung zu wilden Schießereien. 61 überlebende Insassen wurden in Militäreinrichtungen gebracht, vier verletzte Häftlinge kamen in ein Krankenhaus, einem gelang die Flucht. Nach Angaben Guarullas waren 103 Personen inhaftiert - es ist eine Einrichtung für Personen in Untersuchungshaft, die auf ihren Prozess warten, sagte Guarulla.

Vor einem Jahr war Guarulla zufolge in dem Gefängnis ein inhaftierter Kämpfer der kolumbianischen ELN-Guerilla ("Ejército de Liberación Nacional") gestorben. Die Guerillagruppe, die vor allem im kolumbianisch-venezolanischen Grenzgebiet aktiv ist, habe seinen Tod rächen wollen. "Die Inhaftierten haben sich bewaffnet, um für eine Aktion der Guerilla gewappnet zu sein." Die Behörden hätten daraufhin ihre Entwaffnung angekündigt. Das habe zu der Erstürmung geführt.

Höchste Inflation der Welt

Guarulla ist indigener Abstammung und gehört der Partei Movimiento Progresista de Venezuela an, die zum Oppositionsbündnis "Mesa de la Unidad Democrática" (MUD) gehört. Der MUD wirft Maduro die Abschaffung der Demokratie vor, mehrere Oppositionspolitiker wurden in den letzten Wochen ihrer Ämter enthoben, vor allem Bürgermeister. Guarulla kritisierte die Regierung wiederholt als "rotes Regime".

Wegen jahrelanger Misswirtschaft und der gesunkenen Öleinnahmen steht Venezuela am Rande des Ruins. 95 Prozent der Exporteinnahmen kommen aus dem Ölverkauf. Wegen der höchsten Inflation der Welt wird der Import von Lebensmitteln, die in Dollar und Euro zu bezahlen sind, immer schwieriger. Überall gibt es Schlangen vor Supermärkten, deren Regale oft leer sind. Bäckereien fehlt oft sogar Mehl zum Backen, da auch die heimische Landwirtschaft in vielen Regionen daniederliegt.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.