Landwirtschaft leidet unter Insektenschwund
Dienstleister und Nahrung

Eine Hummel beim Sammeln von Nektar auf einer Wiese. Forscher sagen: In Teilen Deutschlands gibt es deutlich weniger Insekten. Bild: Frank Rumpenhorst/dpa

Hilpoltstein/Berlin. Der Rückgang der Insekten in Deutschland kann nach Ansicht eines Experten ganze Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringen. Zudem fehlten dadurch wichtige Bestäuber im Obst- und Gemüseanbau, sagte Thomas Schmitt, Direktor am Senckenberg Deutsches Entomologischen Institut in Müncheberg am Mittwoch. "Insekten sind ganz unten in der Nahrungspyramide. Wenn sie sterben, sind alle Arten betroffen, die sie als Nahrungsgrundlage benötigen."

Laut einer neuen Studie im Fachmagazin "PLOS ONE" ist die Zahl der Fluginsekten in Teilen Deutschlands erheblich zurückgegangen. In den vergangenen 27 Jahren nahm die Gesamtmasse demnach um mehr als 75 Prozent ab. Tiere, die sich von Insekten ernähren, leiden bereits jetzt, sagte Schmitt. In manchen Regionen könne man im Frühjahr keinen Kuckuck mehr rufen hören. Die Blauracke, eine Vogelart, sei in Deutschland ganz verschwunden. Der Grund: zu wenige große Heuschrecken. Auch beim Vogel des Jahres 2018, dem Star, den der Landesbund für Vogelschutz (LBV) nun kürte, sei laut Tierschützern der stille Rückgang spürbar.

Insgesamt könne man Insekten laut Schmitt auch als Dienstleister am Ökosystem betrachten. Sie beseitigten Schädlinge und zersetzten Aas, Totholz oder Kot. Zudem seien Insekten wie Hummeln, Honigbienen und Wildbienen als Bestäuber wichtig für viele Pflanzen. Werden Nutzpflanzen nicht mehr regelmäßig angeflogen, entstehen der Landwirtschaft große Verluste, wie Schmitt erklärte. Zudem vertilgen bestimmte Insekten wie Laufkäfer laut Schmitt gerne Pflanzenschädlinge. Fehlen diese Nützlinge, müssen in der Landwirtschaft mehr Insektizide eingesetzt werden.
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