Lebenslange Haft fürAttacke auf Polizisten
Verachtenswert, erbarmungslos

Weil er einen Polizisten erstochen und dessen Kollegen schwer verletzt hat, verurteilte das Landgericht LImburg den 28-Jährigen zu lebenslanger Haft. Bild: dpa

Ein halbes Jahr verhandelt das Landgericht Limburg den Mord an einem Polizisten in Herborn. Nun hoffen die Angehörigen und Kollegen der Opfer, nach der Bluttat wieder nach vorne schauen zu können.

Limburg. Zahlreiche Polizisten in Uniform sitzen in Gerichtssaal 129 und warten auf das Urteil gegen den Mann, der zwei ihrer Kollegen brutal niedergestochen hat. Die Anspannung und Erwartung im voll besetzten Zuschauerraum ist deutlich zu spüren. Mit einem erleichterten und geflüsterten "Ja!" reagieren mehrere Zuschauer dann auf die Entscheidung des Gerichts: Der Angeklagte (28) muss unter anderem wegen Mordes und versuchten Mordes lebenslang ins Gefängnis.

Die Entscheidung habe eine große Signalwirkung, sagt der Chef der Polizeidirektion Lahn-Dill, Rolf Krämer, nach der Urteilsbegründung. "Es zeigt, dass man so mit Polizeibeamten nicht umgehen kann." Der Angeklagte, davon ist das Gericht überzeugt, hat aus polizeifeindlicher Gesinnung heraus die Beamten (damals 46 und 47) angegriffen. Langgehegte Tötungsfantasien habe er am Heiligabend 2015 umgesetzt. Die Polizisten sollten ihn kontrollieren, weil er beim Schwarzfahren erwischt worden war und seinen Ausweis nicht zeigen wollte. Ein alltäglicher Einsatz. Doch schnell ist alles anders.

Kollegen gerettet

Der Angeklagte, so die Sicht des Gerichts, sticht geplant und mit voller Wucht mehrfach zu, trifft zunächst den Halsbereich des 46-Jährigen. Dann attackiert er auch dessen Kollegen. Der sterbende 46-Jährige schafft es noch, zwei Schüsse aus seiner Dienstwaffe abzufeuern. Die Kugeln treffen den Angeklagten, der daraufhin vom anderen Beamten ablässt.

"Verachtenswert, erbarmungslos" - es sind deutliche Worte, die der Vorsitzende Richter für den 28-Jährigen und dessen Tat findet. Der junge Mann mit den raspelkurzen Haaren und dem Drei-Tage-Bart verfolgt das Urteil ruhig. Kurz ist eine Tätowierung auf seiner Hand zu sehen: "ACAB" - "All Cops are Bastards" (Alle Polizisten sind Bastarde) steht.

Besondere Schuld erkannt

Auch die Angehörigen des Getöteten verfolgen die etwa eineinhalb Stunden lange Urteilsbegründung aufmerksam. Das sechs Monate dauernde Verfahren sei eine Belastung für die Angehörigen gewesen, sagt hinterher deren Anwalt, Nebenklägervertreter Jochen Hentschel. Das Gericht hörte an 22 Verhandlungstagen 67 Zeugen und 4 Sachverständige. Der Vater ist da, die Partnerin und ein Sohn - der 46-Jährige hinterlässt vier Kinder. Sie nehmen das Urteil "mit großer Erleichterung" auf, berichtet Hentschel. Die Richter erkennen auch die besondere Schwere der Schuld, was eine Entlassung nach 15 Jahren in der Regel ausschließt.

Auch die Staatsanwaltschaft spricht von einem "gerechten" und "sorgfältigen" Urteil. Die Verteidigung dagegen, die auf Freispruch plädiert hatte, will in die Revision gehen. Man fühle "Erleichterung und Genugtuung", sagt Holger Geller, der Leiter der Polizeistation, wo die Beamten arbeiteten. Das Urteil helfe bei der Aufarbeitung. Doch klar sei auch: Jedes Jahr aufs Neue werden sie am Heiligabend daran erinnert.
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