04.05.2018 - 22:30 Uhr
Deutschland & Welt

Leserbrief Der Mensch ist der entscheidende Faktor

Reaktion auf den Leserbrief "Welternährung hängt nicht von den Bienen ab":

von Externer BeitragProfil

Der Autor vermittelt ausführlich seine "Realität aus fachlicher Sicht" zum Thema "moderne Landwirtschaft" und "Schicksal der Welternährung". Auch ich würde nicht sagen, das Schicksal der Welternährung hängt von den Bienen ab, sondern eher: Das Schicksal der Welternährung hängt von den Menschen ab und deren Umgang mit ihrer Umwelt.

Welches Insektizid, Pestizid oder Fungizid wirkt denn nur auf eine einzige Art? Die "modernen" Spritzgifte sind meistens Allrounder oder Roundups, welche reihenweise Insekten oder Wildkräutern und deren Nutzern, wie z. B. Vögel, Nagetiere, Reptilien, Läuse, Zikaden oder Schmetterlingsraupen, den Garaus bereiten.

Unsachgemäß eingebrachtes Beizgut kann man nahezu flächendeckend alljährlich bewundern, und nicht nur Bienen gehen an dessen Staub zugrunde, sondern fast alle Boden-Insekten, die wiederum Vögeln, Nagern oder Maulwürfen als Nahrungsquelle oder Henkersmahlzeit dienen. Ins Wasser gelangend, verbreiten sie dort den Tod.

Vereinfacht ausgedrückt, ähnelt die Ökologie einem biologischen Netz, in dem wir alle leben. Verglichen mit einem Kartoffelnetz, kullern die Kartoffeln dort heraus, wo sich ein Loch auftut: weit oben - nur wenige purzeln heraus; ganz unten - dann ist das Netz bald leer. Wenn also das ökologische Netz ganz oben reißt, purzeln nur wir oder die Säugetiere heraus. Reißt das Netz aber ganz unten bei den Insekten, Bakterien und Pilzen, wird sich bald das ganze Netz leeren.

Aus dieser Sichtweise heraus dürfte es weitaus gefährlicher und riskanter sein, Insekten und Bodenlebewesen auszulöschen als Säugetiere. Eine Natur ohne Bestäubung durch Insekten würde viele Obstbäume, Beerensträucher, und Blütenpflanzen zum Aussterben bringen. Denn ohne Samen- und Früchtebildung gibt es keine Vermehrung.

Ein Leben ohne Insekten würde innerhalb kurzer Zeit ein Leben ohne Fledermäuse, Spinnen, vielerlei Vogelarten, Frösche, Eidechsen, Schlangen und Kleinnager bedeuten. Das lässt gemäß den Nahrungsketten dann auch größere Arten verhungern und verschwinden. Das ökologische Netz würde sich ganz schön leeren, bevor dann zu guter Letzt auch wir ins Nichts fallen.

Die Leser mögen mir verzeihen, dass ich meine vereinfachte Betrachtungsweise nicht auf das Bienensterben reduziere, denn dies scheint mir ein viel zu eingeengter und realitätsferner Blickwinkel zu sein, um ihn kommentarlos zu schlucken.

Richard Seidenbusch, 92237 Sulzbach-Rosenberg

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