23.08.2017 - 20:38 Uhr
Deutschland & Welt

Leserbrief Zur Strafe 48 Kilometer zu Fuß

Weil er ein Kennzeichen falsch an seinem Motorrad befestigt hatte, verdonnerte eine Münchener Jugendrichterin einen 19-Jährigen zu 20 Stunden Lesen. Dazu merkt ein Leser an:

von Redaktion OnetzProfil

Nicht vieles, was aus den USA zu uns nach Europa herüberschwappt, wird gut geheißen. Oft wird es verhöhnt, belächelt, regelrecht verspottet oder sogar für verrückt erklärt. Aber man muss sich vermeintlich negative Dinge ja auch nicht aneignen. Doch nun scheint eine Richterin in München in ihrer Rechtsprechung die Idee zu ihrem Urteil vom legendären Richter Michael Cicconetti aus Ohio übernommen zu haben. Mutig!

Dieser ist für seine Urteile mit "kreativer Gerechtigkeit", wie er selbst sagt, bestens bekannt in den USA. Ein Pragmatiker eben, mit gesundem Menschenverstand und einem Blick für das Machbare. Cicconetti ließ schon mal eine Frau, die 30 Meilen mit dem Taxi fuhr ohne anschließend zu bezahlen, deshalb dieselbe Strecke (umgerechnet 48 Kilometer) zu Fuß marschieren. Oder: Ein Mann beschimpfte Polizisten als "Schweine". Er musste sich nach der Verurteilung durch Cicconetti mit einem 350-Pfund-Schwein vor eine Polizeistation stellen, davor das Schild: "Das hier ist kein Polizist".

Es würde der deutschen Rechtsprechung vermutlich im Allgemeinen nicht schaden, wenn wesentlich mehr solcher kreativer Urteile gefällt würden. Der Delinquent kann das verkündete Urteil deutlicher verspüren, und dies hat sicherlich auch einen sinnvolleren Neben- und Erziehungseffekt als nur eine plumpe Geldstrafe oder kurze Arrestzeiten. Der "Merkfaktor" ist ein anderer.

Eine Basis hierfür findet man bei uns in ähnlicher Weise an den Jugendgerichten, zum Beispiel mit der Verhängung von abzuleistenden Sozialstunden. Aber das ist im Sinne Cicconettis noch deutlich erweiterbar Mehr Mut zu kreativerer Gerechtigkeit wäre deshalb wünschenswert an unseren Gerichten.

Stefan Kastner, 92637 Weiden

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