22.01.2018 - 20:10 Uhr
Deutschland & Welt

Leserbriefe Gesprächsstoff: Tempo 80 auf Landstraßen

Es gibt Verkehrsexperten, die fordern ein Tempolimit von 80 km/h auf Landstraßen. Dazu erreichten uns folgende Zuschriften:

Die Nadel eines Tachos steht bei 80 km/h. Das richtige Tempo auf Landstraßen? Bild: Daniel Reinhardt/dpa
von Externer BeitragProfil

Vorschlag: Fahr- und Sicherheitstrainings

Nur weil mehrere vermeintlich sachverständige Personen übereinstimmend unsinnige Vorschläge äußern, werden diese dadurch nicht sinnvoller. Sicherlich ist es so, dass über 50 Prozent der tödlichen Unfälle auf Land- und Bundesstraßen passieren. Die Annahme, dass sich dies alleine auf eine zu hohe zulässige Höchstgeschwindigkeit zurückführen lässt, ist schlichtweg falsch, da sich eine Unfallentstehung nicht monokausal erklären lässt.

Zum einen ist da die Geschwindigkeit, jedoch auch Dinge wie: die nasse Straße, der Schneematsch, das klingelnde Handy, das plötzlich auftauchen Reh, der am Rande stehende Baum, die abgefahrenen Reifen, eine plötzlich auftretende Gesundheits- oder Aufmerksamkeitsstörung, der unerfahrene Fahrer, Alkohol- oder Drogeneinfluss und so weiter. Die Reihe könnte beliebig fortgesetzt werden und zeigt, dass kein monokausales, sondern mindestens bi- oder multikausales Geschehen vorliegt. Um tödliche Unfälle im Straßenverkehr zu verhindern, bliebe nur, die Höchstgeschwindigkeit auf null km/h zu begrenzen, und so weit gehen selbst die benannten Experten noch nicht.

Von sachverständigen Experten hätte ich mir erwartet, dass sie sinnvolle Vorschläge machen und zum Beispiel verpflichtende Fahr- und Sicherheitstrainings fordern. An deren Kosten beteiligen sich die Berufsgenossenschaften, wenn die Kurse über den Arbeitgeber bei einem zertifizierten Anbieter organisiert werden. Dort lernt man nicht nur das Bremsen, sondern auch, dass die Grenzen der Fahrphysik nicht dehnbar sind, die Wahrnehmung durch psychotrope Substanzen eingeschränkt und manchmal auch 50 km/h zu schnell sein können. So, nicht anders sind Menschen zu motivieren, sich mit ihrem Fahrverhalten auseinanderzusetzen. Verbote und Beschränkungen sind vielleicht des Bürokraten und Juristen Liebling, sie werden nur nicht die Verkehrstoten reduzieren.

Walther Grau, Facharzt für Innere Medizin, Leitender Notarzt, 92224 Amberg

"Raser wird es weiterhin geben"

Eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf Tempo 80 für alle Landstraßen finde ich absolut unsinnig. Man denke nur an die unzähligen Pendler, die dann keinen Lkw mehr überholen könnten und noch länger zur Arbeit unterwegs wären. Das Grundproblem ist schlichtweg die Unaufmerksamkeit vieler Autofahrer, unter anderem die Ablenkung durch das Handy. Die Vernunft und auch die Verantwortung anderen Verkehrsteilnehmern gegenüber machen Tempo 80 überflüssig. Raser, enthemmt durch stete Musikbeschallung aus der donnernde Stereoanlage im Heck ihres PS-starken "Rennwagens" wird es weiterhin geben. Egal, was auf dem Verkehrsschild steht.

Hans Schwemmer, 91281 Kirchenthumbach

Gedenktag für die Verkehrstoten

1970 kamen in der Bundesrepublik noch über 21 000 Menschen im Straßenverkehr um, 1980 noch über 15 000 und 2016 noch 3206. Viele Verbesserungen - im Straßenbau, an der Sicherheit im Auto, im Rettungswesen - haben geholfen, die Todeszahlen zu reduzieren. Eine weitere Geschwindigkeitsbegrenzung und ein rigoroses "null Alkolhol" sind unbedingt zu begrüßen. Aber wer denkt an die vielen Toten? Wir sollten uns um einen Gedenktag für die Toten im Straßenverkehr einsetzen, um auch das Bewusstsein für Gefahren zu schärfen und die Verantwortung des Einzelnen wenigstens einmal im Jahr zu verdeutlichen.

Dr. Hans Höllein, 92253 Schnaittenbach

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