Leserbriefe Willkommen im Klinikum St. Marien

Zur AZ-Berichterstattung über das Klinikum St. Marien:

Als ausgebildete Palliativ-Care- Krankenschwester weiß ich, dass nichts tröstender sein kann, wenn man sich in einer lebensbedrohlichen Situation befindet, als eine liebevolle und vertraute Person an seiner Seite. Umso schockierter war ich, als ich meinen Mann vergangenes Jahr um 23.30 Uhr wegen akuter Schmerzen im Brustbereich in die Notfallaufnahme des Klinikums St. Marien brachte und sofort von ihm getrennt wurde. Kein freundliches Wort, keine tröstende Geste! "Gehen Sie in den Warteraum, es dauert jetzt mindestens zwei Stunden, bevor wir Ihnen etwas sagen können", wurde mir mitgeteilt.

Wie ferngesteuert ging ich trotzdem zu ihm, um ihm zu sagen, dass ich nicht bei ihm sein dürfte und dann lieber nach Hause fahren würde. In dieser Nacht war an Schlaf nicht zu denken. Anstelle meines Mannes kroch die Angst in mein Bett. Nie in meinem Leben fühlte ich mich so ausgeschlossen. Ich wollte ihm doch nur zusammen mit kompetenten Menschen Hilfe leisten, ihm die Seele streicheln, ihm Vertrautheit geben und die anderen ihre Arbeit machen lassen. Aber in Amberg ist es offenbar Vorschrift, die Angehörigen auszuschließen! Hier hat man anscheinend noch nie etwas von einer Seele gehört, von dem Zusammenwirken von Menschlichkeit und schulmedizinischer Versorgung.

Hatte ich gehofft, dass es auf der Überwachungsstation besser würde, so wurde ich am nächsten Tag eines Besseren belehrt. Solch unfreundlichen Menschen bin ich in meinem Leben noch nicht begegnet und ein Oberarzt war für uns auch nicht zuständig. Erst als mein Mann abends auf die Privatstation verlegt wurde, verbesserte sich die Situation schlagartig und dabei war es nur der freundliche Umgangston, mit dem man empfangen wurde. Es wäre so leicht!

Man sollte nicht vergessen, dass jeder von uns jederzeit in solch eine Situation kommen kann und es sollte die freie Entscheidung jedes einzelnen bleiben, ob man begleitend dabei sein will oder die Verantwortung komplett in andere Hände gibt. Ich hoffe, dass uns das nächste Mal einfach die Zeit bleibt, ein anderes Krankenhaus aufzusuchen.

Simone PflammingerAmberg

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