09.07.2017 - 22:10 Uhr
Deutschland & Welt

Londoner Ärzte wollen neuartige Behandlung Wendung im Fall Charlie

London. (KNA) Im Fall des todkranken britischen Babys Charlie Gard gibt es eine Wendung. Wie die britische Zeitung "Daily Mail" am Wochenende berichtete, wollen die Ärzte des Londoner Krankenhauses Great Ormond Street bei dem elf Monate alten Jungen eine neuartige Behandlungsmethode zum Zug kommen lassen, die von Experten empfohlen wird. In einer Mitteilung des Krankenhauses heißt es, internationale Forscher hätten mitgeteilt, "dass sie neue Beweise für ihre vorgeschlagene experimentelle Behandlungsmethode haben". Weiter betont das britische Krankenhaus: "Wir glauben, gemeinsam mit Charlies Eltern, dass es richtig wäre, die neuen Beweise zu untersuchen." Das Great Ormond Street Hospital wolle deshalb "dem Obersten Gericht die Möglichkeit geben, die angeblichen neuen Beweise objektiv zu bewerten. Das Oberste Gericht wird auf Grundlage dieser Fakten eine Entscheidung treffen."

Die Eltern von Charlie Gard, Connie Yates und Chris Gard (sitzend) unterhalten sich mit Journalisten, bevor sie eine Petition mit 350 000 Unterschriften an das Great-Ormond-Street-Hospital in London überreichen. Bild: Dominic Lipinski/PA/dpa
von Agentur DPAProfil

Charlie Gard leidet unter einer mitochondrialen Myopathie, einer seltenen Erbkrankheit, die zu Muskelschwund und einer Schädigung des Gehirns und innerer Organe führen kann. Zuletzt hatte ein Krankenhaus aus New York angeboten, den kleinen Patienten aufzunehmen.

Angebot aus Rom

Anfang der vergangenen Woche hatte sich auch das vatikanische Kinderkrankenhaus "Bambino Gesu" bereit erklärt, den Jungen aufzunehmen und die Eltern über die weitere Behandlung entscheiden zu lassen. Das Londoner Krankenhaus wollte einer Verlegung aber nur zustimmen, wenn in Rom die per Gericht entschiedene Einstellung der lebenserhaltenden Maßnahmen umgesetzt werde. Für das Papstkrankenhaus kam dies jedoch nicht in Betracht, wie Klinik-Leiterin Mariella Enoc erklärte.

Gemäß einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte sollen die lebenserhaltenden Maßnahmen für Charlie eingestellt werden. Laut den Ärzten hat der Junge durch die Krankheit unheilbare Gehirnschäden erlitten und könnte durch weitere Behandlungen "unnötig leiden". Die Eltern waren mit ihrer Klage gegen die Einstellung der lebenserhaltenden Maßnahmen zuvor bereits vor britischen Gerichten gescheitert. Sie kämpfen für eine experimentelle Therapie in den USA.

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