27.10.2017 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Mann hatte schwarzem Kind den Tod gewünscht Nach Hasskommentar im Netz verurteilt

Oldenburg. Zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe und 60 Stunden gemeinnützige Arbeit verurteilte das Oldenburger Amtsgericht einen Mann (41) aus Oldenburg, weil dieser einem schwarzen Kind den Tod gewünscht hatte. Geäußert hatte er sich auf dem Facebook-Auftritt der Nordwest-Zeitung (NWZ). Diese zeigte den 41-Jährigen daraufhin wegen Volksverhetzung an.

von Redaktion OnetzProfil
Kommentar

Wir zitieren wörtlich aus dem Artikel der Nordwest-Zeitung über den Prozess: "Die NWZ berichtete am 25. Mai 2016 in ihrer Onlineausgabe über den damals vierjährigen Eden aus Mülheim an der Ruhr (NRW), teilte die Geschichte auch bei Facebook. Der schwarze Junge war aus einem Fenster gefallen und vor dem Aufschlagen auf dem Gehweg von einem Müllmann aufgefangen worden. Die Geschichte rührte viele Menschen in der gesamten Republik. Ein Foto des Retters und des Jungen ging durch viele Zeitungen. Auch die NWZ druckte das Bild ab.

Der 41-jährige nun verurteilte Internetleser kommentierte die Rettung des Jungen dergestalt, dass der Müllmann ihn wohl besser wie Abfall behandelt und entsorgt hätte. Nachdem die Redaktion diesen Kommentar gelesen und gesichert hatte, erstattete sie Anzeige wegen Volksverhetzung und löschte den Beitrag schließlich." Schlussbemerkung: Vor dem Oldenburger Amtsgericht war der Angeklagte geständig.

Der NWZ-Chefredakteur: Deshalb haben wir Anzeige erstattet

Ein Mann, der auf Facebook einem schwarzen Kind den Tod wünscht - das fand die niedersächsische Nordwest-Zeitung unerträglich. Sie erstattete Anzeige, inzwischen hat es ein Urteil gegeben. NWZ-Chefredakteur Lars Reckermann hat ausführlich dargelegt, warum er sich den Hass nicht gefallen lassen will. Die Erklärung im Wortlaut:

"Wir Journalisten sind gut beraten, Nachrichten einzuordnen und sie zu verbreiten. Wir sollten nie direkt in Geschehnisse eingreifen. Der inzwischen verstorbene Tagesthemen-Moderator Hanns Joachim Friedrichs brachte es in einem Interview auf den Punkt: ,Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in öffentliche Betroffenheit versinken, im Umgang mit Katastrophen cool bleiben, ohne kalt zu sein. Nur so schaffst du es, dass die Zuschauer dir vertrauen [...].' Jeder Journalist kennt diesen Satz. Ich zitiere ihn auch immer wieder.

Trotzdem hat die Nordwest-Zeitung diesen Grundsatz vermeintlich missachtet. Wir haben einen Menschen angezeigt, der öffentlich auf unserer Facebook-Seite einem Kind den Tod gewünscht hat. Folgende Geschichte haben wir veröffentlicht: Ein Mann fängt in Mülheim an der Ruhr ein schwarzes Kleinkind auf, das aus einem Fenster gestürzt ist, und rettet dem Vierjährigen dadurch das Leben. Sie, liebe Leserinnen und Leser, müssen jetzt stark sein, denn um zu verstehen, warum wir die Justiz bemüht haben, muss ich Ihnen Einblicke in die Wortwahl der von uns angezeigten Person geben.

Ich möchte, dass Sie verstehen, warum wir einen ,Leser' unserer Artikel vor Gericht gebracht haben. Besagter Facebook-Kommentator äußerte unter dem Artikel, dass es ,besser' gewesen wäre, ,son scheiss Niggerkind [...] fallen' zu lassen. Das Kind wurde übrigens von einem Mitarbeiter der Müllabfuhr aufgefangen. Deshalb schrieb der Mann ebenfalls in die Kommentarleiste: Hätte er ihn fallen gelassen, hätte ,er nen guten Job gemacht, nämlich Müll beseitigen'.

Wir haben den Kommentar sofort gelöscht. Die Person kann auf unseren Seiten nicht mehr kommentieren. Wir haben aber auch die Justiz eingeschaltet. Wir Journalisten, alle Kollegen der NWZ sind durch unsere tägliche Arbeit eine Menge gewöhnt. Nicht jede veröffentlichte Meinung ist meine Meinung. Ich höre mir andere Meinungen aber an und trete gerne in eine Diskussion ein. Ja, die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Gerade wir Journalisten geben der Meinungsfreiheit immer den Vorzug und im Zweifel immer den Vorrang.

Sie, liebe Leserinnen und Leser der NWZ, haben aber auch ein Recht darauf, eine Zeitung zu lesen, die ebenfalls eine Meinung hat. Verdammt noch mal, Sie sollen wissen, dass wir nicht einfach daneben stehen, wenn Menschen andere Menschen als Müll beschimpfen, wenn Menschen öffentlich der Tod gewünscht wird, weil sie eine andere Hautfarbe haben. Zumal diese Sätze auf unserer Facebook-Seite geäußert wurden.

Muss nun jeder Kommentator Angst haben, sich bei uns öffentlich zu äußern? Wenn er Menschen den Tod wünscht, wenn sein Hass eine Dimension erreicht, die mit Meinungsfreiheit rein gar nichts mehr zu tun hat, dann lautet meine Antwort: Ja. Hanns Joachim Friedrichs sprach von ,Distanz halten'. Ich würde das Zitat gerne um das Wort ,Haltung' ergänzen. Die ist genauso wichtig."

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