12.04.2018 - 21:14 Uhr
Deutschland & Welt

Messerangriff am Jungfernstieg Mann ersticht Tochter und Ex-Frau

Der Polizeisprecher versucht, die schreckliche Tat in Worte zu fassen, nennt sie entsetzlich und sehr massiv. Auf einem Bahnsteig in der Hamburger Innenstadt werden ein Baby und seine Mutter erstochen. Ein Verdächtiger ist schnell gefasst.

Die Bemühungen der Notärzte waren letztlich vergeblich. Eine 34-jährige starb nach dem Messerangriff ihres Ex-Mannes in der Hamburger Innenstadt. Zuvor war bereits das gemeinsame Kind des Paares seinen Verletzungen erlegen. Bild: Tnn/dpa
von Agentur DPAProfil

Hamburg. Zurück bleiben ein leerer Bahnsteig und ein Kinderbuggy mit rosafarbener Tasche. "Tatort Jungfernstieg" steht unter dem von der Polizei nach der Bluttat auf dem S-Bahnhof in der Hamburger Innenstadt veröffentlichten Foto, das die Szene zeigt. Das erst ein Jahr alte Mädchen, das wohl in dem Buggy saß, ist da schon ein paar Stunden tot - wie seine Mutter, die nur wenig später ihren schweren Verletzungen erlag. Verletzungen, die ihr von ihrem Ex-Mann und Vater des Kindes beigebracht wurden - vor den Augen vieler Menschen auf dem Bahnsteig.

Eine ältere Dame zeigt auf die Blutstropfen, die sich eine Etage höher über die hellen Fliesen des unterirdischen Bahnhofs ziehen. "Es ist doch schrecklich, wenn man so etwas sieht", sagt sie. Mit ihrem Mann wollte sie die S-Bahn nehmen. Nun sperrt Flatterband die Abgänge zu dem Bahnsteig ab, der jetzt Tatort ist. Ob das Blut von der Mutter stammt, die noch reanimiert und ins Krankenhaus gebracht wurde, ist unklar.

Gezielt und massiv

"Die Tat war sehr, sehr entsetzlich in der Art der Ausführung, sehr gezielt und sehr, sehr massiv", sagt Polizeisprecher Timo Zill. Ein Mann habe mit einem Messer auf ein Kind und eine Frau eingestochen, hätten Zeugen berichtet. "Wir gehen nach derzeitigen Stand von einer Beziehungstat aus." Der mutmaßliche Täter ist schnell gefasst. Zunächst war der 33-Jährige aus dem Niger dem Polizeisprecher zufolge noch geflüchtet, hatte dann aber selbst die Polizei informiert. "Er hat die 110 gewählt und seinen Standort mitgeteilt."

Noch im Umfeld des Bahnhofs, der sich über mehrere Ebenen erstreckt und über den auch U-Bahnlinien führen, hätten Polizisten ihn dann festgenommen. Warum der Mann mutmaßlich auf seine Ex-Frau, eine 34-jährige Deutsche, und seine erst ein Jahr alte Tochter einstach, ist unbekannt. Ein Kriseninterventionsteam ist vor Ort. Es betreut die vielen Zeugen, die sich während der Tat dort befanden. Aber auch Einsatzkräfte müssten die Hilfe der Seelsorger in Anspruch nehmen, sagt Zill.

Wenigstens kein Terror

"Das war ja nun eine Beziehungstat und nichts mit Terror." Renate Günther zeigt sich fast erleichtert, als sie keine zwei Stunden nach der Bluttat am Bahnhofseingang steht. Die 78-Jährige ist gebürtige Hamburgerin, lebt aber in Glinde. Sie will ihren Enkel von der Schule abholen. In ihrer persönlichen Sicherheit fühle sie sich durch die Tat nicht bedroht, aber die allgemeine Entwicklung mache ihr Sorgen. "In was für einer Welt leben wir?", pflichtet ihr die 39-jährige Joyce bei. Dass es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen Ausländer handele, spiele für sie keine Rolle. Viel schlimmer sei doch, dass diese Tatsache die altbekannten Diskussionen nun wieder anheize.

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