Messerattacke auf Mitschüler
8 Jahre Haft für Klosterschüler

Der blutige Angriff eines 15-Jährigen auf einen Mitschüler hatte Entsetzen hervorgerufen. Die Plädoyers vor dem Landgericht Mühlhausen wurden daher hinter verschlossenen Türen gehalten. Bild: Martin Schutt/dpa

Ein Gymnasiast aus Thüringen ersticht beinahe einen Mitschüler. Nun muss er jahrelang ins Jugendgefängnis. Der Richter hält den 15-Jährigen weiterhin für gefährlich.

Mühlhausen/Roßleben. Die letzte Stunde ist gerade vorbei, als das Drama an der Klosterschule Roßleben passiert: Völlig unvermittelt sticht ein Schüler (15) aus dem Kyffhäuserkreis in Thüringen mit einem Küchenmesser seiner Großmutter auf einen Mitschüler ein und verletzt ihn schwer. Das Opfer, ein 14-Jähriger, überlebt - mit bleibenden Schäden.

Mehrere Monate nach der Tat im September 2017 hat das Landgericht Mühlhausen den 15-Jährigen nun wegen versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung zu acht Jahren Jugendhaft verurteilt. Das Gericht ordnete am Dienstag auch die Unterbringung in einer sozialtherapeutischen Einrichtung innerhalb des Jugendgefängnisses an. Das Urteil ist rechtskräftig. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der 15-jährige Deutsche den Jüngeren aus "Mordlust" und "Heimtücke" mit fünf Messerstichen schwer verletzte. Zudem schlug er den am Boden Liegenden noch mindestens zwei Mal mit der Faust ins Gesicht.

Festgestellt wurde die besondere Schwere der Schuld. Über eine Sicherungsverwahrung soll erst kurz vor Ende der Haftzeit entschieden werden, sie wird vorbehalten. Laut Gericht hat der Jugendliche in der Untersuchungshaft erneut angekündigt, einen Menschen töten zu wollen. "Bei Lust und Gelegenheit drohen derzeit weitere Taten", so der Richter zur Gefährlichkeit des Angeklagten.

Der verletzte Schüler wird zeitlebens auf den Rollstuhl angewiesen sein, weil er an einer dauerhaften Gehstörung leidet. "Der 14-Jährige ist wehr- und arglos gewesen", sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Schuppner. Die ganze 9b sei überrascht aus dem Klassenraum an dem renommierten Gymnasium in Nordthüringen gerannt. Mit seinem Geständnis hatte der Angeklagte dem Opfer eine Befragung erspart.

Der 15-Jährige wirkt äußerlich unscheinbar, zur Urteilsverkündung war er in einem blauen Kapuzenpullover erschienen. Laut Urteil war er voll schuldfähig. Er habe wissen wollen, wie es sich anfühlt, einen Menschen zu töten, hatte er als Motiv genannt. Er habe auch sehen wollen, wie sich die anderen erschrecken. Das 20 Zentimeter lange Küchenmesser der Großmutter hatte der Gymnasiast am Vorabend in ein Tuch gewickelt und eingesteckt. Die Messerattacke endete erst, als die Waffe nach fünf Stichen abbrach.

Bereits nach der dritten Stunde hatte er angekündigt, "heute zu töten". Diese Äußerung wurde wie frühere nicht ernstgenommen. Später fand sich im Klassenbuch ein Zettel mit Notizen des Angeklagten: "Mein Leben ist nichts wert", "Heute werde ich ihn abstechen", "Meine Zukunft wird scheiße" und "Mir war danach".

"Das sind alles Zeichen für eine Störung, eine fehlende Empathie", sagte Richter Schuppner. Der Angeklagte habe zwar rückhaltlos gestanden, aber keine Reue gezeigt. Bei der Urteilsverkündung zieht ab und zu ein Grinsen über das Gesicht des Jugendlichen. "Du musst Chef über deine Störung werden", gab ihm Schuppner mit auf den Weg.
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