22.03.2018 - 22:10 Uhr
Deutschland & Welt

Mord an Freiburger Studentin Höchststrafe für Hussein K.

Hussein K. bleibt ein Rätsel. Doch der Mord an Maria (19) wird vom Landgericht akribisch aufbereitet. Die Richter lassen keinen Zweifel: Nicht die Flüchtlingspolitik saß auf der Anklagebank. Sondern ein Mensch, der nun als Mörder verurteilt ist.

Der wegen Mordes angeklagte Hussein K. wird nach dem Urteil aus dem Landgericht gebracht. Bild: Patrick Seeger/dpa
von Agentur DPAProfil

Freiburg. An den Anblick hatten sich alle gewöhnt. Der schlurfende Gang beim Weg in den Verhandlungssaal des Freiburger Landgerichts. Die klirrenden Fesseln an Händen und Füßen, die ihm in den 25 Prozesstagen nicht ein einziges Mal abgenommen wurden. Die ausdruckslose Blässe und der auf die Brust gesenkte Kopf. Und doch blieb der Mann bis zum Schluss ein Unbekannter, von seinem Innenleben drang nichts nach außen und von außen, so schien es, nichts zu ihm nach innen.

"Letztlich sind Sie uns ein Rätsel geblieben", sagt die Vorsitzende Richterin Kathrin Schenk am Donnerstag nach der Urteilsverkündung dem Flüchtling, der die Studentin Maria L. im Oktober 2016 vergewaltigte und zum Sterben in einen Fluss legte, wo sie ertrank. In klaren Worten begründet die Richterin die Höchststrafe, sie spricht den Mann, der nicht aufsieht, direkt an: Lebenslang lautet der Spruch der Kammer, die auch die besondere Schwere der Schuld feststellt und sich die Sicherungsverwahrung vorbehält.

Die Tat zeichnet sie nochmals nach in vielen schwer erträglichen Details: Die Bisse in Marias Wange, Brust und Unterleib. Das entschlossene Würgen mit Schal und Hand, die mehrfache Vergewaltigung der bewusstlosen Frau, die sichtbar noch atmete. Maria hätte wohl überlebt und wäre zu retten gewesen, wenn K. sie nicht zum Ertrinken durch ein Dornengebüsch ins Wasser geschleift hätte.

Hinweis an Rechtspopulisten

Akribisch und unbeirrt geht die Richterin auch kurz auf das enorme Interesse der Öffentlichkeit ein, auf die scheinbare politische Dimension und die Diskussionen, die der Fall auslöste. Wie zur absichtlichen Untermalung ist durch die Fenster des vollbesetzten Saales ein Dutzend skandierender Rechtspopulisten zu hören. Sie stehen auf der Straße vor dem Gericht und prangern den Fall Hussein K. als Symbol für verfehlte Flüchtlingspolitik an. Wie zur Versachlichung betont Schenk: "Die Tat ist nicht von einem Ausländer, einem Flüchtling, einem unbegleiteten minderjährigen Flüchtling, einem Mann verübt worden - sondern von einem Menschen", so Schenk: "Von Ihnen, Herr K."

Das Alter des Angeklagten, es war während des mehr als sechs Monate dauernden Prozesses ein Dauerthema und fachte die Empörungsdebatten immer wieder aufs neue an. Als angeblich minderjähriger Flüchtling ohne Papiere eingereist genoss K. die Vorteile der Betreuung von unter 18-jährigen Flüchtlingen.

Geplanter Mord

Doch der Mord "hätte auch durch kein Gesetz, keine bessere Ausstattung der Polizei, keine andere Betreuung verhindert werden können", so das Gericht. Er sei begründet im Charakter des Angeklagten und seiner Unfähigkeit, sich in das Leid eines anderen, hineinzuversetzen. Er habe die Tat geplant und nicht im Affekt begangen. "Sie haben keineswegs bekifft und besoffen in den Tag hineingelebt", sagt die Richterin. "Drogen, Herr K., sind nicht Ihr Problem. Es ist Ihr fehlendes Mitgefühl, Ihre starke Ichbezogenheit, die wenig Hoffnung für Therapie geben."

"Das Ergebnis ist ein richtiges und ein gerechtes", sagt Bernhard Kramer, Nebenklägeranwalt der abwesenden Eltern von Maria. Stattdessen gründeten sie die Maria Ladenburger-Stiftung, die Menschen in schwierigen Lebenssituationen beistehen und die Erinnerung wachhalten soll an ihr ermordetes Kind.

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