Müllverbrennungsanlangen arbeiten an ihrem Image
Keine Dreckschleudern

In der Verwertungsanlage Weißenhorn werden jährlich mehr als 100 000 Tonnen Müll aus dem Kreis Neu-Ulm verbrannt. Bild: Stefan Puchner/dpa

Abfall, der nicht recycelt werden kann, landet in Müllverbrennungsanlagen. Deren Ruf ist nach wie vor schlecht - zu Recht?

München. Ihren schlechten Ruf aus den 80er Jahren konnten die Müllverbrennungsanlagen bis heute nicht vollständig abschütteln. Viele Recycler beklagen, dass ihnen die Stoffe zum Wiederverwerten wegverbrannt werden - zu Unrecht, wie Vinzenz Schulte, Sprecher der Interessengemeinschaft der Thermischen Abfallbehandlungsanlagen in Deutschland (ITAD) betont. "Bürger, die sich heutzutage dagegen aussprechen, wissen nicht, dass nur ein kleiner Teil der Abfälle ökologisch sinnvoll stofflich recycelt werden kann." Eine Kreislaufwirtschaft brauche eine Möglichkeit, mit der in Produkten enthaltene Schadstoffe zerstört und ausgeschleust werden.

Eine Sprecherin des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), deren Mitglieder häufig Müllverbrennungsanlagen betreiben, pflichtet dem bei: "In der öffentlichen Debatte wird es oft so dargestellt, dass sich Müllverbrennung und Recycling ausschließen. Tatsächlich werden dadurch nicht nur Strom und Wärme produziert, sondern auch verwertfähige Stoffe gewonnen." Auch das Umweltbundesamt betont: "Die thermische Abfallbehandlung ist in Deutschland eine der tragenden Säulen der Abfallentsorgung."

Demnach ist auch im Recycling-Weltmeisterland Deutschland die Verbrennung von Abfällen nach wie vor unverzichtbar - besonders bei sogenannten Siedlungsabfällen, die unsortiert in den Restmülltonnen landen. Dafür gibt es bisher kaum Sortiertechniken. Die wenigen Ansätze, die es gibt, sind aufwendig und wirtschaftlich meist unrentabel.

In Bayern verbrennen 16 Müllverbrennungsanlagen (MVA) fast überwiegend Hausmüll - pro Bürger etwa 145 Kilogramm Restmüll, in Summe etwa 1,86 Millionen Tonnen. Die Anlagen-Betreiber bekommen für die Verbrennung Geld. Zuletzt waren es im Schnitt je nach Art der Abfälle in Süddeutschland zwischen 60 und 160 Euro pro Tonne, sagt Schulte. Immer mehr Kommunen führen sogenannte "pay-as-you-throw-Systeme" ein, bei denen nach Gewicht gezahlt werden muss, was in der Restmülltonnen landet.

Die Verwertung in den Anlagen bringt auch Geld ein. Zum einen über verkaufte Wärme und Strom, die bei der Verbrennung entstehen und über verschiedene Techniken aufgefangen und in die Netze eingespeist werden. Eine weitere Einnahmequelle liegt in der Asche, die durch die Verbrennung entsteht. "Auch die Abtrennung von Metallen für das Recycling ist in Abfallverbrennungsanlagen üblich", sagt die VKU-Sprecherin. Immerhin 60 000 Tonnen Metalle sind das etwa jährlich in Bayern. Ein Großteil der restlichen Asche wird im Deponiebau, im Straßen und Wegebau und zur Verfüllung eingesetzt.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.