Nach 19 Jahren
Eiscafé-Schüsse vor Gericht

Mehr als 19 Jahre nach einer tödlichen Schießerei in einem Eiscafé in Hannover hat der Mordprozess gegen den mutmaßlichen Schützen, einen heute 37 Jahre alten Mann, vor dem Landgericht Hannover begonnen. Bild: dpa

In den 1990er Jahren tobten in Hannovers Rotlichtviertel blutige Verteilungskämpfe um Drogengeschäfte. Der Mord an einem 22-Jährigen hat jetzt ein gerichtliches Nachspiel - hinter verschlossenen Türen, weil der Angeklagte zum Tatzeitpunkt erst 17 Jahre alt war.

Hannover. Mehr als 19 Jahre nach einer tödlichen Schießerei in einem Eiscafé in Hannover steht der mutmaßliche Täter wegen Mordes vor Gericht. Dem heute 37-jährigen Türken wird vorgeworfen, im August 1997 das Feuer auf zwei 19 und 22 Jahre alte Albaner eröffnet zu haben. Der ältere Mann starb, das jüngere Opfer wurde lebensgefährlich verletzt. Vor der 1. Großen Jugendkammer des Landgerichts Hannover wird seit Mittwoch verhandelt.

Ihr Mandant habe zum Prozessauftakt geschwiegen und werde es auch weiterhin tun, sagte die Verteidigerin Angelika Bode nach der Verhandlung. Am Mittwoch wurde nach der Verlesung der Anklage eine Zeugin befragt, die am Tattag mit ihrer damals elfjährigen Tochter in der Eisdiele saß. Die Frau habe gesagt, sie sei damals sofort mit ihrer Tochter unter dem Tisch abgetaucht, berichtete die Verteidigerin.

Laut Anklage traf der damals 17-Jährige den Entschluss, sich gewaltsam an den Albanern zu rächen, mit einem Komplizen, nach dem heute noch international gefahndet wird. In den 1990er Jahren gab es blutige Kämpfe zwischen Kurden und Albanern in Hannovers Rotlichtbezirk am Steintor. Es ging um Drogenhandel und Prostitution. Der Mordverdächtige war im September 2015 in Bulgarien gefasst und nach Deutschland ausgeliefert worden.

"Er hatte bei dem Grenzübertritt nach Bulgarien Betäubungsmittel dabei", sagte Gerichtssprecher Hans-Christian Rümke. Der heute 37-Jährige sei deswegen in Berlin zu einer sechsjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Dieses Urteil sei aber noch nicht rechtskräftig. Der Mann sitzt wegen des Mordvorwurfs in Untersuchungshaft.

Bereits vier Jahre nach der Schießerei hatte das Landgericht einen Komplizen wegen Beihilfe zum Totschlag zu sechs Jahren verurteilt. Der bei der Verurteilung 26-Jährige stand nach Überzeugung der Richter Schmiere, als die Schüsse fielen. Der Mann gilt als Hauptzeuge. Er hat dem Gerichtssprecher zufolge seine Strafe verbüßt und lebt in Schweden. In der kommenden Woche soll er per Videovernehmung befragt werden. Der 41-Jährige sei nicht bereit einzureisen, sagte Bode. Für den Mordprozess sind elf Verhandlungstermine angesetzt. Schon 1997 hatten sich Zeugen der Verteidigerin zufolge bei der Beschreibung des Tathergangs widersprochen. Strittig sei etwa, ob es sich um ein oder zwei Täter handelte. Das Urteil könnte am 2. März gesprochen werden.
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