Nach tödlichem Brandanschlag in Kiel
Fassungslosigkeit und Trauer

Trauer am Tatort in Kronshagen bei Kiel (Schleswig-Holstein). Bild: dpa

Der Schock über den tödlichen Brandanschlag auf eine Frau sitzt in Kiel tief. Freunde trauern um die 38-Jährige, die ihr Mann grausam getötet haben soll. Sie hatte sich stark für die Rechte afrikanischer Frauen engagiert.

Kronshagen. Sie weinen laut und schluchzen leise. Einen Tag nach dem entsetzlichen Flammentod ihrer Freundin legen Trauernde am Tatort in der Kieler Nachbargemeinde Kronshagen Blumen nieder und stellen Kerzen auf. Sabine Haft platziert dahinter ein Holzkreuz. "Sie war Christin, kommt aus einer ganz traditionellen christlichen Familie", sagt die Frau am Donnerstag an der Stelle, an der die 38-Jährige 26 Stunden zuvor in Brand gesetzt wurde - mutmaßlich von ihrem Mann (41), der in der Nähe festgenommen wurde.

Psychiatrische Behandlung

Am Abend starb die Mutter von zwei kleinen Jungen im Krankenhaus. Ein Richter erließ am Donnerstag Haftbefehl gegen den 41-Jährigen wegen Mordes. Warum das Verbrechen geschah, bleibt unklar. Fest steht, dass der Mann in psychiatrischer Behandlung war. Nach Ermittlungsstand sollen beide die Söhne (3 und 7) zur Schule und zum Kindergarten gebracht haben. Danach hatte das Auto laut Staatsanwaltschaft eine Panne, es gab Streit, und noch im Wagen soll der Mann eine brennbare Flüssigkeit über seine Frau gegossen haben. Sie lief weg, er hinterher und zündete sie an, so die grausige Darstellung.

Die kleine Trauergemeinde vor der Klinik, aus der Mitarbeiter am Mittwoch vergeblich zur Hilfe geeilt waren, kann nicht fassen, was da geschehen war. "Das tut sehr weh", sagt Oswella Obiri-Yeboah. "Sie war immer gut zu uns und hat sich viel um afrikanische Menschen hier gekümmert." Noch vor Tagen war die Ghanaerin dabei, als der Freundin Rasta-Zöpfe geflochten wurden.

Die betrauerte Frau stammt aus Togo in Westafrika. Sie war in Kiel für deutsch-afrikanische Frauenprojekte aktiv. "Dela hat sich immer sehr für die Rechte der Frauen eingesetzt, vor allem der afrikanischen Frauen", sagt Rabea Krause, eine gute Bekannte. Sie betreute einen der Söhne in der Krabbelgruppe. "Sie war immer hilfsbereit, Mutter mit Leib und Seele, sehr herzlich und religiös." Laut einer Augenzeugin hatte sie nach der Feuerattacke in Flammen stehend noch geschrien: "Meine Kinder, meine Kinder, was wird mit meinen Kindern?"

"Dela war hier absolut integriert", betont Krause. Sabine Haft, ebenfalls in der Frauenarbeit engagiert, bestätigt das: "Sie war fast mehr deutsch als afrikanisch. Dela war eine unglaublich starke, liebenswerte Frau." In einer Broschüre für ihren Verein schrieb die Betrauerte, sie sei aus Perspektivlosigkeit aus ihrer Heimat weggegangen, um in Deutschland zu studieren. "Das Vorbild meiner Mutter, die in ihrer sehr patriarchal geprägten Gesellschaft es oft wagte, gegen den Strom zu schwimmen, hat mich geprägt und zu meinem Ziel geführt, mich für die Stärkung und Anerkennung der Rolle und Rechte der Frauen aus meiner Heimat zu engagieren." Vom 1. Januar an hätte die Frau beim Flüchtlingsbeauftragten des Landes Schleswig-Holstein arbeiten sollen. "Wir trauern um eine Frau, die wir als neue Kollegin nicht mehr kennenlernen durften", sagte Landtagspräsident Klaus Schlie. "Es ist kaum zu glauben, dass Menschen auf so schreckliche Weise getötet werden - ganz gleich aus welchem Teil der Welt die vermeintlichen Täter stammen", fügte Flüchtlingsbeauftragter Stefan Schmidt hinzu.
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