Neuer Prozess im Fall Ursula Herrmann
Schmerz des Bruders

Michael Herrmann, Bruder des Opfers, klagt auf 20 000 Euro Schmerzensgeld gegen den wegen der Entführung verurteilten Täter. Bild: Stefan Puchner/dpa

Augsburg. Es ist einer der ganz großen Kriminalfälle in der Geschichte der Bundesrepublik: die Entführung und der Tod der zehnjährigen Ursula Herrmann am Ammersee. Seit 36 Jahren gibt es Spekulationen um das Gewaltverbrechen. Diese verstummten auch nicht, als 2010 in Augsburg ein Mann zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Am Donnerstag wurden die Ermittlungen zu dem Fall vor dem Augsburger Landgericht untersucht, diesmal von einer Zivil- statt von einer Strafkammer. Der Bruder der Ermordeten hat den rechtskräftig verurteilten Täter auf Schmerzensgeld verklagt. Der Verteidiger des Entführers hofft, in dem Zivilprozess Hinweise auf Fehler in dem Strafprozess sammeln zu können. Anwalt Walter Rubach möchte gerne einen Wiederaufnahmeantrag stellen und nutzte die Verhandlung für detaillierte Nachfragen zu der Arbeit der Sonderkommission.

Einen der ehemaligen Soko-Ermittler befragte Rubach sehr intensiv zu den Ermittlungen und versuchte, den Zeugen auch in die Enge zu treiben. Doch der inzwischen pensionierte Polizist ließ sich nicht provozieren und verwies darauf, dass er sich nach der langen Zeit nicht mehr an alles erinnern könne. Hintergrund der Befragung ist, dass es bis heute viele Zweifel daran gibt, dass es nur einen Täter gab. Auch mit dem Vorsitzenden Richter Harald Meyer lieferte sich Rubach Wortgefechte. Meyer waren die Fragen des Anwalts mehrfach zu ausufernd. Der Verteidiger würde auch gerne ein neues Gutachten zu einem Tonbandgerät haben, das bei den Erpresseranrufen abgespielt worden sein soll. Sein Mandant wurde 2010 insbesondere aufgrund des Gutachtens verurteilt. Ob das Zivilgericht nun einen neuen Sachverständigen beauftragt, bleibt abzuwarten.
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