13.04.2018 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Neueste Entscheidungen des Presserats

Ansehen der Presse beschädigt

von Externer BeitragProfil

Die "Bild"-Zeitung berichtete unter dem Titel "Neue Schmutzkampagne bei der SPD" über einen angeblichen Mailverkehr zwischen Juso-Chef Kevin Kühnert und einem Russen. Nachträglich stellte sich dieser Schriftwechsel als Satire-Aktion der Zeitschrift "Titanic" heraus. Obwohl die SPD in dem Artikel die angeblichen Mails ihres Juso-Bundesvorsitzenden mit offensichtlichen Argumenten wie der falschen Endung der E-Mail-Adresse dementierte, veröffentlichte "Bild" die Geschichte trotzdem. Vor allem aber suggerierte sie dem Leser auf der Titelseite, dass es eine "neue Schmutzkampagne" bei der SPD gebe - dem nicht so war. Der Presserat sieht darin einen schweren Verstoß gegen das Wahrhaftigkeitsgebot in Ziffer 1 des Pressekodex. Diese Irreführung der Leser beschädige Ansehen und Glaubwürdigkeit der Presse, so meint der Presserat, der deshalb eine öffentliche Rüge erteilte.

Missbilligung für GroKo-Hund Lima

Die SPD beschwerte sich beim Presserat, weil "Bild" einen Hund namens Lima als Parteimitglied angemeldet und berichtet hatte, dieser dürfe über die Große Koalition mit abstimmen. Die SPD und weitere Beschwerdeführer warfen "Bild" einen Verstoß gegen die im Pressekodex festgelegten Grenzen der Recherche (Richtlinie 4.1) und gegen das Wahrhaftigkeitsgebot (Ziffer 1) vor. Der Presserat entschied nun: Die Recherche unter falschen Angaben verletze in diesem Fall nicht den Pressekodex, da es ein hohes öffentliches Interesse daran gab, ob die Mitgliederentscheidung anfällig für Manipulationen ist. Allerdings erwähnte der Bericht nicht, dass es mit der Pflicht zur Abgabe einer eidesstattlichen Erklärung vor der Abstimmung über die Große Koalition durchaus einen Sicherungsmechanismus gegen Manipulation gab. Die Überschrift "Dieser Hund darf über die GroKo abstimmen" sei deshalb unzutreffend. Diesen Verstoß gegen die Sorgfaltspflicht nach Ziffer 2 des Pressekodex missbilligt der Presserat.

"Krawall-Barbie" presseethisch okay

Der Presserat hält die Veröffentlichung polizeilicher Fahndungsfotos von mutmaßlichen G20-Straftätern für presseethisch akzeptabel. Unter der Überschrift "Polizei sucht diese Krawall-Barbie" zeigte "Bild" im vergangenen Dezember eine junge Frau und weitere Personen, die während der G20-Proteste in Hamburg randaliert haben sollen. Beschwerden darüber wies der Presserat als unbegründet zurück, da die Fotos aus einer öffentlichen Fahndung nach einem entsprechenden Gerichtsbeschluss übernommen wurden. Ebenso musste sich "Bild" darauf verlassen können, dass die Polizei das Alter der jungen Frau und damit auch den Schutz von Minderjährigen bei der Veröffentlichung berücksichtigt hatte. Die Bezeichnung der abgebildeten mutmaßlichen Täter als "Verbrecher" oder "Chaoten" stelle in diesem Fall auch keine Vorverurteilung, sondern eine gerade noch zulässige Zuspitzung dar, zumal "Bild" im Text auch immer wieder von "Tatverdächtigen" spricht. Da die G20-Proteste unter den Augen der Weltöffentlichkeit stattfanden, was jedem Teilnehmer damals bewusst sein musste, wurden aus Sicht des Presserats auch keine Persönlichkeitsrechte verletzt.

Ein zweites Mal gedemütigt

Der Presserat rügt "Bild Online" wegen eines Verstoßes gegen den Schutz der Persönlichkeit nach Ziffer 8 des Pressekodex und die Wahrung des Grundsatzes der Menschenwürde nach Ziffer 1. Unter der Überschrift "Sieben Jahre Knast für mieses Rache-Video" berichtete "Bild Online" über einen Mann, der seine Freundin zwang, nackt auf die Straße zu gehen und sie dabei filmte. Die Redaktion veröffentlichte einen Screenshot des Videos, in dem das Opfer unbekleidet von hinten zu sehen ist. Obwohl die Frau auf dem Foto nicht erkennbar ist, müsse sie durch die wiederholte Veröffentlichung ihre Demütigung noch einmal erleben. Dies liege nicht im öffentlichen Interesse und sei entwürdigend, urteilte der Presserat.

Bei Dieter Wedel öffentliches Interesse

Beschwerden gegen "Zeit Online" wegen der Berichterstattung über den Fall Dieter Wedel bewertet der Presserat als unbegründet. "Zeit Online" hatte zwei Artikel aus der Printausgabe zusammengefasst, die dem Regisseur schwere sexuelle Nötigung vorwerfen. Schauspielerinnen hatten strafrechtlich relevante Vorwürfe gegen Wedel erhoben. Dieser hatte sich, mit dem Vorgang konfrontiert, hierzu auch gegenüber der "Zeit" geäußert. Der Presserat hält beide Artikel für eine vorbildliche Verdachtsberichterstattung über einen Fall von hohem öffentlichen Interesse. Die Berichterstattung zeige die Dimension eines bislang wenig beachteten gesellschaftlichen Missstands auf. Die nach Ziffer 13 maßgebliche Unschuldsvermutung sei hier ausreichend gewahrt worden "Zeit Online" habe nicht nur eine äußerst sorgsame Recherche vorweisen, sondern auch belegen können, dass Dieter Wedel ausreichend Gelegenheit zur Stellungnahme zu den Vorwürfen erhalten habe. Einen Medienpranger erkennt der Presserat im Übrigen nicht. nt/az)

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