28.06.2017 - 20:10 Uhr
Deutschland & Welt

Niedrigzins belastet Sparvermögen Sparstrumpf oder Safe?

Das Geld unterm Kopfkissen ist nicht unbedingt ein sanftes Ruhekissen. Wer Bares zu Hause aufbewahren will, guckt sich nach einem soliden Versteck um. Das wird meistens ein Safe sein. Allerdings gibt es auch andere Möglichkeiten.

Größere Bargeldbestände einfach unter dem Sofakissen zu deponieren, ist keine gute Idee. Wird es gestohlen, bekommt man von der Versicherung in der Regel nichts ersetzt. Archivbild: Christin Klose/dpa
von Agentur DPAProfil

Berlin. Die Europäische Zentralbank fährt seit Jahren einen Niedrigzinskurs. Das hinterlässt allmählich Spuren beim Sparvermögen. Die Nullzinspolitik lässt nicht nur die Rendite von Lebensversicherungen dahinschmelzen, sondern auch die Spargroschen. Geld aufs Konto zu packen, lohnt einfach nicht.

Mancher entdeckt angesichts mangelnder Alternativen Omas Sparstrumpf wieder, legt sein Geld unter die Matratze oder deponiert es im Schuhkarton. Zinsen gibt auch zwar dafür nicht. Trotzdem kann Max Herbst von der FMH-Finanzberatung in Frankfurt am Main dieser Idee etwas Gutes abgewinnen: "Ich bin immer flüssig." Allerdings sollte das Geld sicher aufbewahrt werden.

Schein-Verstecke wie Einmachgläser, Mikrowelle, Bücher, Vasen, Socken oder aufgehängte Waschlappen halten Einbrecher nicht vom Zugriff ab, sondern nötigen ihnen allenfalls ein müdes Lächeln ab. Abgesehen davon besteht das Risiko, dass unwissende Familienmitglieder versehentlich das Vermögen in der Mikrowelle verkohlen oder es samt Büchern ins Altpapier werfen.

Blick in die Unterlagen

Die Hausratversicherung ersetzt den Schaden nur bedingt. Die Assekuranzen haben unterschiedliche Obergrenzen. Als Richtwert nennt eine Sprecherin des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) 3000 Euro. Den gleichen Maximalbetrag gibt es für Sparbücher.

Gold und Schmuck sind grundsätzlich mit 25 000 Euro versichert. "Wenn im Vertrag 1500 Euro vereinbart sind, erhält der Versicherte nur diesen Betrag", betont die Sprecherin. Sie empfiehlt, einen Blick in die Unterlagen zu werfen.

Tresore bieten mehr Sicherheit als vermeintliche Verstecke. Denn Safes können den Tatendrang von Einbrechern bremsen. Diese "wollen schnell Beute machen", erläutert Falko Adomat, der für die in Frankfurt ansässigen European Certification Body (ECB) Tresore zertifiziert.

"Den Tresor müssen sie aber entweder aufbrechen oder aus der Verankerung reißen. Das kostet Zeit." Seiner Erfahrung nach versucht es ein Fünftel der Täter gar nicht erst. Andere versuchen, gleich den Tresor zu klauen, um ihn dann in Ruhe aufzubrechen. Um Tätern die Arbeit so schwierig wie möglich zu machen, sollte der Behälter deshalb entweder sehr schwer oder fest verankert sein. Mit vernünftigen Schrauben im Beton festdübeln, rät Adomat.

Er bevorzugt eine Verankerung im Boden, weil nicht jede Wand massiv genug ist. Die Montage muss nach Herstellervorgaben erfolgen, weil zertifizierte Tresore sonst ihre Anerkennung verlieren. Dies kann später Ärger mit der Versicherung nach sich ziehen. Der Einbau in Mietwohnungen kann aber auch zu Ärger mit dem Eigentümer führen. "Je nach Größe und Verankerung stellt die Montage einen schwerwiegenden Eingriff in die Mietsache dar", erläutert Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. "Unter Umständen brauche ich die Genehmigung des Vermieters." Wer einbaut, muss bei Auszug die Spuren beseitigen. Um Schäden zu vermeiden, sollte Rat von Fachleuten eingeholt werden.

Die Versicherungswirtschaft rät, beim Kauf eines Geldschranks auf ein geprüftes und zertifiziertes Gerät zurückzugreifen. Diese Safes haben eine einbruchstechnische Prüfung bestanden. Zu erkennen sind sie an einer blauen Plakette an der Innenseite. Es gibt verschiedene Sicherheitsstufen. In Wohnungen reiche oft die Stufe S2 aus, erklärt Adomat.

Den richtigen Tresor finden

Viele Hausratsversicherungen erlaubten darin Werte bis 30 000 Euro aufzubewahren. Die S2-Tresore leisten immerhin so hohen Widerstand, dass Täter beim Öffnungsversuch einigen Lärm verursachen müssten. Ohne hellhörige Nachbarschaft rät Adomat mindestens zur Widerstandsstufe I zu greifen. Soll der Safe 100 000 Euro und mehr aufnehmen, käme die Stufe II infrage. Das sollte aber mit der Versicherung besprochen sein. Grundsätzlich gilt: Je höher die Stufe, desto stabiler der Wertbehälter.

Max Herbst bevorzugt eine klassische Lösung, die sowohl die Nerven schont als auch Zinsen bringt: den Wechsel der Bank vom Filialinstitut hin zur Direktbank. "Das ist nicht verwerflich. Die eine Bank will mich ja nicht, sonst würde sie mir mehr Zinsen bieten." Ältere ohne Erfahrung mit Online-Banking sollten Kinder und Enkel bitten, den Transfer zu organisieren. Die andere Anti-Sparstrumpf-Option ist das Schließfach in der Bank. Das bringt zwar kein Geld, sondern kostet Gebühren. Dafür kann man aber ruhig schlafen.

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