13.02.2018 - 22:10 Uhr
Deutschland & Welt

Odyssee von Hündin beendet "Rapunzel" aufgetaucht

Zürich/Hösbach. Schäferhündin Rapunzel wollte nicht zum Tierarzt in der Nähe von Frankfurt - und ist wohl Hunderte Kilometer bis in die Schweiz gewandert. Nach Angaben des Züricher Rettungsdienstes wurde das Tier nach einer fast halbjährigen Odyssee gerettet. Sanitäter entdeckten den schwer verletzten, neun Jahre alten Hund in der Nacht zum Freitag an einem Autobahnrand nahe Zürich, wie der Sprecher von Schutz & Rettung, Roland Portmann, am Dienstag sagte. Schutz & Rettung ist der Notdienst der Stadt Zürich. Die Besitzerin des Hundes aus Hösbach bei Aschaffenburg hat das Tier bereits am Wochenende in der Schweiz besucht.

Hündin Rapunzel und Tochter Marie, aufgenommen vor dem Verschwinden der Schäferhündin. Bild: Privat/Jasmin Ehret-Väth/dpa
von Agentur DPAProfil

Über das Wiedersehen mit Rapunzel sagte Jasmin Ehret-Väth: "Sie war vollkommen zugedröhnt mit Schmerzmitteln, aber hat mich sofort erkannt." Das Tier könne selbstständig Türen öffnen und sei am 15. August 2017 bei einem Tierarzt zwischen Aschaffenburg und Frankfurt abgehauen. "Sie ist vorher noch nie weggelaufen." Rapunzel habe Beobachtern zufolge zuerst sogar die richtige Himmelsrichtung nach Hause eingeschlagen, sei dann aber zu spät abgebogen. In welchem Ort genau die Hündin sich auf den Weg machte, wollte Ehret-Väth nicht sagen. Die Besitzer suchten per Internet und Zeitung nach ihrem Familienhund von einem Züchter aus Erlensee bei Frankfurt - und konnten so seine Wanderung durch Deutschland verfolgen.

"Immer, wenn wir den Hund eigentlich aufgegeben haben, wurde er wieder gesehen", sagte die 41-Jährige. Bei ihrem Besuch in der Schweiz sei Rapunzel nur noch Haut und Knochen gewesen, aber: "Wenn man nur auf den Kopf schaute, sah sie aus wie immer." Nach Angaben des Sprechers fuhren die Sanitäter die Hündin in einem normalen Krankenwagen selbst zur Tierklinik - die alarmierte Tierambulanz hätte zu lange gebraucht. "Sie haben ihr über eine Sauerstoffmaske Sauerstoff gegeben und sie in wärmende Decken gewickelt", sagte Portmann. So einen Einsatz habe es noch nie gegeben. "Sie standen mitten in der Nacht vor der Entscheidung: Stirbt der Hund oder nehmen wir ihn mit?", sagte der Sprecher. Der ungewöhnliche Einsatz sei beim Rettungsdienst wie in sozialen Netzwerken durchweg positiv beurteilt worden.

Das Tierspital der Universität Zürich bestätigte, dass die Hündin dort behandelt wurde. Sie sei inzwischen mehrfach wegen Knochenbrüchen und inneren Blutungen operiert worden, sagte Portmann. "Sie ist noch nicht über den Berg, aber sie hat gute Chancen zu überleben." Die Besitzerin hofft, ihren Hund in wenigen Wochen nach Hause holen zu können. Die Hündin trug einen Chip, so dass die Halter schnell ausfindig gemacht werden konnten. Zwischen Frankfurt und Zürich liegen 400 Kilometer. Dass Rapunzel die Reise geschafft hat, hat ihr Frauchen am meisten überrascht. "Sie ist eigentlich total unsportlich und stinkend faul", sagte Ehret-Väth.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.