18.06.2017 - 21:04 Uhr
Deutschland & Welt

Pilotprojekt in Oberfranken Silphie statt Mais

Der Mais hat kein gutes Image - wegen des Booms bei Biogasanlagen beklagen viele die Mais-Monokultur auf Bayerns Feldern, die dem Grundwasser schadet und Bienen vergrault. Anders wäre das bei einer Pflanze aus Nordamerika namens Silphie.

Die aus Nordamerika stammende Silphie könnte eine Alternative zum Maisanbau sein. Anders als der Mais bieten ihre gelben Blüten im Sommer auch Nahrung für Bienen. Bild: Christian Porsch/Bezirk Oberfranken/dpa
von Agentur DPAProfil

Bayreuth. Auf der Suche nach Alternativen zum Maisanbau in Bayern rückt die aus Nordamerika stammende Pflanze Silphie in den Fokus. Sie habe viele Vorteile im Vergleich zum Mais, sagte Wasserwirtschafts-Experte Walter Fischer von der Regierung von Oberfranken. Waren bislang in ganz Bayern gerade einmal 76 Hektar mit Silphie bepflanzt worden, so sind es nun bei einem Projekt in Oberfranken 100 Hektar.

Die Pflanze wird im Herbst gehäckselt und kann dann in Biogasanlagen zur Stromerzeugung verwendet werden. Der auf mehrere Jahre angelegte Versuch in Oberfranken soll zeigen, inwieweit Silphie den Mais als Biomasse-Lieferant ablösen könnte. Das dafür ausgewählte Gebiet "zeichnet sich einerseits durch die größten, als Trinkwasser nutzbaren Grundwasservorräte Nordbayerns und anderseits durch den Betrieb von über 50 Biogasanlagen aus und ist damit hochinteressant für den Demonstrationsanbau", sagte ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums. Der Silphieanbau gilt als schonender für das Grundwasser als Maiskulturen. Silphie benötigt keinen Pflanzendünger, das dichte Wurzelwerk bindet zudem Nitrat. "Das ist wasserwirtschaftlich betrachtet ein Riesenvorteil", sagte Fischer. Zuviel Nitrat im Wasser gilt als gesundheitsgefährdend. Außerdem treiben die Pflanzen in den folgenden Jahren immer wieder neu, die jährliche Aussaat entfällt. Das stoppt die Bodenerosion, weil die Felder - anders als beim Mais zwischen Ernte und Aussaat - nicht brachliegen. Und: Die Blüten der bis zu zwei Meter hohen Pflanze leuchten mehrere Wochen im Sommer in einem satten Gelb - ein Vorteil für Bienen auf der Suche nach Nahrung. Denn Mais hat keine Blüten, und viele Imker beklagen sich deshalb über den Mais.

Von dem großangelegten Versuch in Oberfranken erhoffen sich die Experten auch Erkenntnisse darüber, welche Erträge im Vergleich zum Mais zu erwarten sind und wie hoch der Kostenaufwand ist. In Bayern gibt es nach Ministeriumsangaben noch eine Reihe von weiteren Versuchen mit Pflanzen, die sich als Alternative zum Silomais anbieten könnten. Das Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe (TFZ) in Straubing sei auf diese Frage spezialisiert und suche nach Rohstoffpflanzen, die zum Anbau im Freistaat geeignet sein könnten. Dadurch "soll die Biodiversität in der Kulturlandschaft erhöht werden".

Noch aber führt für die meisten Landwirte mit Rinderhaltung oder Biogasanlage kein Weg am Mais vorbei: Auf 435 284 Hektar wird nach Zahlen des Landesamts für Statistik heuer Silomais angebaut. Besonders hoch ist der Maisanteil demnach in Niederbayern und Schwaben.

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