Polizei in Berlin fahndet nach Tätern
Obdachlosen angezündet

Eine Kombo zeigt Aufnahmen aus Überwachungskameras, mit denen die Berliner Polizei sieben Jugendliche sucht, die am 25. Dezember im U-Bahnhof Schönleinstraße in Berlin versucht haben, einen schlafenden Obdachlosen anzuzünden. Bild: Polizei Berlin/dpa

In Berlin ist die Stimmung nach dem Terroranschlag angespannt. Dann, in der Nacht nach Heiligabend: Junge Leute sollen versucht haben, auf einem U-Bahnhof einen Obdachlosen anzuzünden. Jetzt wird mit Bildern nach den Tätern gesucht.

Berlin. An einer langen grünen Holzbank auf dem Berliner U-Bahnhof Schönleinstraße bleiben an den Weihnachtstagen die Blicke hängen. Hat hier in der Nacht nach Heiligabend der Obdachlose geschlafen, als Menschen versuchten, ihn anzuzünden? Wer macht so etwas? Und vor allen: warum?

Die Kriminalpolizei fahndet seit Montagnachmittag öffentlich nach sieben Jugendlichen und jungen Männern - wegen versuchten Mordes. Ihre Gesichter sind auf den Fotos und dem Videomaterial aus einer U-Bahn gut zu erkennen. Die Gruppe junger Leute war nach der Tat in eine U-Bahn geflüchtet und weggefahren.

Es ist gut ausgegangen, fast wie in einer Weihnachtsgeschichte. Der Obdachlose bleibt unverletzt. Passanten helfen um zwei Uhr früh sofort und beherzt, berichtet die Polizei. Sie löschen die Flammen, die wohl bereits das Papier erfassten, mit dem sich der 37-Jährige, offenbar alkoholisierte Mann zugedeckt hatte. Ein U-Bahn-Fahrer kommt mit einem Feuerlöscher hinzu.

Stimmung angespannt

Im sonst so coolen Berlin ist die Stimmung nach dem Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt mit zwölf Toten und mehr als 50 Verletzten angespannter als sonst. Das Leben geht weiter, doch die Sinne sind geschärfter, empfindlicher. Schon der Knall eines frühen Silvesterböllers kann da anders klingen.

"In diesen Tagen sollten wir Nächstenliebe erwarten. Stattdessen erleben wir Menschenverachtung", sagt Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Sonntag. "Ich bin entsetzt und danke allen, die beherzt geholfen haben. Das ist wahre Mitmenschlichkeit."

Beim Stichwort U-Bahn kommt noch etwas in den Sinn: Das Video, mit dem die Berliner Polizei Mitte Dezember nach einem Mann suchte, der eine junge Frau die Treppe heruntergetreten hatte. Sie brach sich einen Arm. Das Video wurde tausendfach im Netz geteilt, inzwischen ist der mutmaßliche Täter gefasst. Diesmal wurden die Bilder schneller veröffentlicht. Es ist dieselbe U-Bahnlinie, ebenfalls videoüberwacht und nur vier Stationen entfernt.

"Solche Gewaltvorfälle häufen sich nicht", betont Petra Reetz, Sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Die BVG habe 2011 einen Höhepunkt mit 880 Gewalttaten gegen Menschen registriert. Seitdem seien die Zahlen stark zurückgegangen - 2015 seien es 484 Gewalttaten gewesen. "Es spricht sich herum, dass die Bahnhöfe videoüberwacht sind", sagte Reetz.

Der Kiez an der Grenze der Stadtteile Kreuzberg und Neukölln ist eine gemischte Gegend: Anziehungspunkt für Nachtschwärmer und zunehmend hippe Wohngegend - aber es gibt auch die Drogenprobleme und die Armut im Migrantenkiez rund um das Kottbusser Tor.

Tausende wohnungslos

Der Angriff auf den Obdachlosen wirft zudem ein Schlaglicht auf das Berlin jenseits der beliebten Kultur- und Partymeilen. In der Hauptstadt haben Tausende Menschen keine Wohnung, die steigenden Mieten verschärfen das Problem. Je nach Quelle und Definition ist von 3000 bis 10 000 Menschen auf der Straße die Rede. Die Berliner Kältehilfe bietet in diesem Winter 700 Schlafplätze.
1 Kommentar
Alexander Unger aus Amberg in der Oberpfalz | 27.12.2016 | 17:12  
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