05.10.2017 - 21:48 Uhr
Deutschland & Welt

Polizei sucht weiter nach Motiv des Las-Vegas-Schützen: Mörder hinterlässt Notiz

Mit dem Terrorschützen im Hotel

Sich entspannen - das falle ihnen schwer. So beschreiben Sarah und Ludger Laber aus dem niedersächsischen Nienburg an der Weser ihre Gemütslage, nachdem sie Zeuge des Schusswaffen-Massakers in Las Vegas geworden waren. "Jedes Klopfen vom Room-Service, jedes laute Geräusch auf dem Flur schreckt einen wach und verursacht ein unwohles Gefühl", sagte Ludger Laber bei "stern TV".

Die 27-jährige Sarah Laber und ihr Ehemann waren am Sonntagabend in Las Vegas im Urlaub - sie wohnten im selben Hotel und im selben Stockwerk wie der Attentäter. Im Halbschlaf hätten sie zunächst "ein sehr komisches Feuerwerk" wahrgenommen, berichtete Ludger Laber. "Es waren schnell aufeinanderfolgende Knalle." An ein Attentat hätten sie nicht gedacht. Dann hätten sie aus dem Fenster gesehen: "Unser Blick ging zum Festivalgelände, und es war voll mit Blaulicht, Sirenen heulten auf, und da wurde uns bewusst: Da ist was passiert", sagte Sarah Laber. Auf der anderen Seite des Hotels hätten sie aus einem Fenster wehende Vorhänge entdeckt: "Das flatterte da rum, und ich wusste, das kann in Vegas gar nicht sein, weil man die Fenster nicht öffnen kann", sagte die 27-Jährige. Beim Blick aufs Handy hätten sie erfahren, dass der Attentäter gerade viele Menschen getötet hatte.

Schwerbewaffnete Einsatzkräfte brachten die Labers in Sicherheit - zuerst in die Hotelwäscherei, dann in ein Theater. Mehrere Stunden mussten sie ausharren. Danach sei ihnen das Ausmaß bewusst geworden, sagte Sarah Laber: "Auf der Straße war es ganz still, überall standen Scharfschützen. Es war wie im Kriegsgebiet." (dpa)

Die Polizei sucht weiter nach dem Motiv des Todesschützen von Las Vegas. Einige Indizien haben die Ermittler gesammelt, bislang fehlt jedoch der entscheidende Hinweis. Details über ein möglicherweise ausschlaggebendes Fundstück stehen noch aus.

Ein Frau entzündet an einer Gedenkstätte für die Opfer des Massakers in Las Vegas Kerzen. Bild: Nick Otto/dpa
von Agentur DPAProfil

Las Vegas. Polizisten haben bei der Durchsuchung des Hotelzimmers, von dessen Fenster aus Stephen Paddock 58 Menschen ermordete, einen Zettel mit einer Notiz gefunden. Das berichteten US-Medien unter Berufung auf die Ermittler. Dabei handle es sich nicht um einen Abschiedsbrief, sagte der Polizeichef von Las Vegas, Joseph Lombardo, am Mittwoch. Mehr Details nannte er nicht.

Die Ermittler sind sich Lombardo zufolge sicher, dass Paddock geplant habe, nach seinen Schüssen zu fliehen. Als Einsatzkräfte das Zimmer im 32. Stock des Mandalay-Bay-Hotels umstellten, fanden sie zwei Kameras, die Paddock auf einem Servierwagen vor seinem Zimmer installiert hatte. Eine weitere habe im Guckloch der Zimmertür gehangen. "Er tat zu alles ihm Mögliche, um zu sehen, wie er fliehen könnte", sagte Lombardo. Als ihm das nicht möglich schien, habe er sich erschossen.

In Paddocks Auto im Parkhaus des Hotels hätten Ermittler knapp 23 Kilo Sprengstoff und 1600 Schuss Munition gefunden. Außerdem hatte er neben dem Hotel ein Zimmer in einem Komplex gemietet, von dem aus er einen Blick auf ein Musikfestival gehabt habe. Die Zahl der Verletzten bezifferte Lombardo am Mittwochabend mit 489, nachdem zuvor von mehr als 500 die Rede gewesen war. 317 hätten das Krankenhaus verlassen können. Zudem zeigte sich Lombardo überzeugt, dass der Todesschütze irgendwann Hilfe gehabt haben müsse. Er verwies darauf, dass der 64-Jährige ein riesiges Waffenarsenal angelegt und die Tat über längere Zeit akribisch vorbereitet habe.

Die Freundin des Todesschützen hatte nach eigenen Angaben keine Ahnung von den Massaker-Plänen. Eine Erklärung veröffentlichte die 62-jährige Marilou Danley über ihren Anwalt Matt Lombard. Kurz zuvor war sie von einem Besuch auf den Philippinen zurückgekehrt und wurde bei ihrer Ankunft in Los Angeles von FBI-Ermittlern befragt. US-Präsident Donald Trump traf sich in Las Vegas mit Überlebenden sowie Ersthelfern und Polizisten. Dabei würdigte er den Mut von Opfern, die zuerst anderen beigestanden hätten, den Einsatz der Polizei und ziviler Helfer. Den Todesschützen bezeichnete er als "verrückte, kranke Person".

Danley beschrieb ihren Freund als "fürsorglichen" und "gütigen" Menschen, den sie geliebt habe. Sie sei über das, was er angerichtet habe, am Boden zerstört. Paddock habe nie etwas gesagt oder getan, was sie als Warnzeichen hätte verstehen können. Zu ihrem Aufenthalt im Ausland während des Massenmordes sagte sie, Paddock habe ihr ein Flugticket zum Besuch ihrer Familie auf den Philippinen geschenkt. Später habe er ihr Geld überwiesen, damit sie sich ein Haus kaufen könne. Sie sei besorgt gewesen, dass ihr Freund sich von ihr trennen wolle.

Paddock habe 100 000 Dollar auf die Philippinen überwiesen, zitierte CNN einen Justizsprecher. Ermittler hätten noch nicht herausfinden können, wann und an wen die Überweisung ging. Das FBI arbeite deswegen mit den philippinischen Behörden.

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