Präfekt der vatikanischen Kongregation muss gehen
Müller: Kein Streit mit dem Papst

Kardinal Gerhard Ludwig Müller am Samstag bei einem Gottesdienst im Mainzer Dom. Bild: Andreas Arnold/dpa
 
Der spanische Kurienerzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer. Archivbild: Riccardo De Luca/AP/dpa

Der Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre ist einer der mächtigsten Männer im Vatikan. Der deutsche Kardinal Müller galt als Hardliner in diesem Amt. Nach fünf Jahren muss der ehemalige Regensburger Bischof nun gehen.

Rom/Regensburg. Spektakuläre Entscheidung im Vatikan: Papst Franziskus trennt sich kurz nach der Beurlaubung seines Finanzchefs George Pell auch von dem deutschen Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Die Amtszeit des 69 Jahre alten früheren Regensburger Bischofs als Chef der mächtigen Glaubenskongregation in Rom werde nicht verlängert, gab der Vatikan am Samstag bekannt. Nachfolger Müllers wird der bisherige Sekretär der Kongregation, der spanische Erzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer. Der 73-Jährige ist wie Papst Franziskus Jesuit.

Während Müller als konservativer Hardliner gilt, der grundlegende Reformen in der katholischen Kirche ablehnt, wird Ladaria im Vatikan als "gemäßigter Konservativer" bezeichnet. Der Spanier ist schon seit einigen Jahren so etwas wie die "rechte Hand" von Papst Franziskus. Hingegen lagen Franziskus und Müller nicht immer auf gleicher Linie.

"Gelegen oder ungelegen"

Müller kündigte am Sonntag nach einem Pontifikalamt im Mainzer Dom an, er werde in Rom bleiben und "weiter den Glauben verkünden und für seine Wahrheit eintreten, sei es gelegen oder ungelegen". Zugleich versicherte er, es habe keine Auseinandersetzung mit dem Papst gegeben, das Verhältnis sei gut.

Müller gehörte der Glaubenskongregation seit 2007 an. 2012 wurde er von Papst Benedikt XVI., Franziskus' Vorgänger, an deren Spitze berufen. Vor der Berufung an den Heiligen Stuhl war Müller zehn Jahre lang Bischof von Regensburg.

Papst Franziskus traf den deutschen Kardinal am Freitag, um ihm die Entscheidung persönlich mitzuteilen. Der Papst habe beschlossen, ab sofort nur noch Amtszeiten von fünf Jahren zuzulassen, sagte Müller der Mainzer "Allgemeinen Zeitung". "Ich war der Erste, bei dem er das umgesetzt hat." Müllers letzter Arbeitstag war der Samstag.

Der 69 Jahre alte deutsche Kardinal gilt als führender Kritiker des Papst-Schreibens über Familie und Liebe, "Amoris Laetitia". Darin hatte der Pontifex 2016 angeregt, dass es geschiedenen und wiederverheirateten Menschen unter gewissen Umständen erlaubt sein soll, an der Kommunion teilzunehmen.

"Lehrmeister" Müller

Für die Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" bedeutet ein Wechsel in der Glaubenskongregation "die wertvolle Möglichkeit einer Neuorientierung". "Kardinal Müller hat sich immer wieder durch seine Belehrungen und Interpretationen des Papstamtes, zuletzt in seinem Buch "Der Papst", zum Lehrmeister über den Papst erhoben", hieß es in einer in München verbreiteten Mitteilung. Doch auch die theologischen Auffassungen seien zu unterschiedlich gewesen. Als wichtigen Aufgabenbereich, für den der Glaubenspräfekt zuständig ist, nannte die Bewegung die Verfolgung sexueller Gewalt durch Priester.

"Beschämendes" Verhalten

Im März hatte eines der Missbrauchsopfer katholischer Geistlicher, Marie Collins, Müllers Kongregation beschuldigt, sich der Arbeit der päpstlichen Kommission zum Schutz von Kindern zu widersetzen. Dieses "beschämende" Verhalten sei der Grund, warum sie die Kommission verlassen habe, sagte die Irin damals dem Jesuiten-Magazin "America". Müller hatte Ende Februar den Vorwurf systematischer Vertuschung von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche zurückgewiesen.

Dem Vatikan und der katholischen Kirche wird immer noch vorgeworfen, nicht hart genug gegen Kindesmissbrauch vorzugehen und teils pädophile Geistliche zu decken. Zur Amtszeit von Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. war herausgekommen, dass katholische Geistliche weltweit über Jahrzehnte unzählige Kinder missbraucht oder misshandelt hatten und die Fälle unter den Teppich gekehrt wurden. Erst am Donnerstag hatte der australische Kardinal Pell nach Kindesmissbrauchs-Vorwürfen sein Amt vorübergehend niedergelegt und sich beurlauben lassen. Er wolle in seiner Heimat seine Unschuld beweisen, hatte der 76-Jährige gesagt. (Angemerkt)

Gerhard Ludwig MüllerDer frühere Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller, der seit 2012 die Glaubenskongregation in Rom leitete, gilt als konservativer Hardliner. Er ist gegen die Zulassung zivil wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten und gegen eine Zulassung von Frauen zum Diakonenamt. Im Bistum Regensburg schränkte er die Mitbestimmung von Laien in der Kirche ein und ging außerdem gegen Kritiker vor.

Der Skandal um sexuellen Missbrauch durch Priester wurde nach seiner Ansicht von Medien aufgebauscht. Es habe sich um Einzelfälle gehandelt, für die die jeweiligen Täter verantwortlich seien, nicht die Kirche insgesamt. Müller wehrte sich gegen den Verdacht, die Aufklärung von Missbrauchsfällen bei den Regensburger Domspatzen verhindert zu haben. Die von ihm fünf Jahre lang geleitete Glaubenskongregation ist dafür zuständig, solche Fälle weltweit aufzuklären. Jüngst sah sie sich Vorwürfen ausgesetzt, sich der Arbeit der päpstlichen Kinderschutzkommission zu widersetzen.

Müller selbst lehnt Kategorien wie konservativ oder liberal ab. In den Gesprächen mit der ultrakonservativen Piusbruderschaft pocht er darauf, dass sich die Traditionalisten auch zur Ökumene, zur Glaubens- und Religionsfreiheit bekennen. Wie Papst Franziskus engagiert er sich für die Armen in Lateinamerika. Mit dem Begründer der linken lateinamerikanischen Befreiungstheologie, Gustavo Gutiérrez, ist er befreundet.

Geboren wurde Müller am 31. Dezember 1947 in Mainz. Jahrelang lehrte er an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität Dogmatik. Vor seiner Berufung an den Heiligen Stuhl durch Papst Benedikt XVI. war der Zwei-Meter-Mann zehn Jahre lang Bischof von Regensburg. 2014 erhob Papst Franziskus Müller, der seit seinem Wechsel nach Rom Erzbischof war, zum Kardinal. (dpa)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.