02.03.2018 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Presserat nimmt weitere Bild-Geschichte unter die Lupe Die Hündin "Lima" und die SPD

SPD wehrt sich und verweist auf Pressekodex

Die SPD geht "wegen grober Verstöße gegen die Grundsätze der journalistischen Ethik" gegen die Bild-Zeitung vor und hat sich an den Deutschen Presserat gewendet. Der Bericht "Dieser Hund darf über die Groko abstimmen" sei in seiner Kernaussage falsch, zudem habe Bild bei der Recherche durch Angabe falscher Identitäten beim Parteieintritt Ziffer 4.1. des Pressekodex verletzt.

Die SPD hat den Medienrechtsanwalt Prof. Dr. Christian Schertz mit den entsprechenden Schritten betraut. Schertz erklärt hierzu: "Ziffer 4.1. des Pressekodex bestimmt, dass Journalisten sich bei ihrer Recherche klar zu erkennen geben müssen. Unwahre Angaben des recherchierenden Journalisten über seine Identität und darüber, welches Organ er vertritt, sind laut Pressekodex mit dem Ansehen und der Funktion der Presse nicht vereinbar. Insbesondere in Zeiten von Fake News und Lügenpresse-Vorwürfen sind diese Vorgaben unbedingt einzuhalten und hier verletzt worden."

Der Bericht sei in seiner Kernaussage auch falsch, soweit er sich auf das Mitgliedervotum bezieht. "Am Mitgliedervotum der SPD dürfen nur Mitglieder teilnehmen. Jeder und jede Abstimmende muss neben dem Stimmzettel eine eidesstattliche Erklärung zu seiner oder ihrer Identität abgeben. Würde also jemand für das angebliche Mitglied ,Lima' eine Stimme abgeben, müsste er die eidesstattliche Erklärung unterschreiben. Ohne beigefügte eidesstattliche Erklärung wird der Stimmzettel nicht berücksichtigt."

Die Tatsache, dass für eine rechtmäßige Beteiligung am Mitgliedervotum eine vom Mitglied zu unterschreibende eidesstattliche Erklärung nötig ist, unterschlage die Bild-Zeitung bei ihrem Bericht gegenüber dem Leser. Die SPD "ist über dieses Vorgehen befremdet".

Berlin. Zur Bild-Geschichte über den SPD-Eintritt der Hündin "Lima" lag dem Presserat schnell eine erste Beschwerde vor. Dabei handelte es sich nicht um die von der SPD angekündigte, so eine Sprecherin zum Evangelischen Pressedienst (epd) in Berlin. "Das heißt: Wir werden den Fall ,Lima' anhand des Pressekodex prüfen und auf dieser Grundlage entscheiden, ob wir ein Verfahren einleiten", sagte sie.

von Agentur EPDProfil

Die SPD hatte nach der Bild-Recherche zum Mitgliedervotum mitgeteilt, sich an den Presserat zu wenden. Bild hatte den Parteieintritt von "Lima" geschildert. Die Zeitung hatte für die Hündin noch kurz vor Ablauf der Frist für ein Abstimmungsrecht über die Große Koalition die Mitgliedschaft in der SPD beantragt. In der Folge wurde "Lima" laut dem Bericht in die Partei aufgenommen. Zudem erhielt sie die Ankündigung, dass die Unterlagen für das Votum per Post kommen. Die SPD hatte erklärt, sie sehe in der Berichterstattung "grobe Verstöße" gegen die Grundsätze journalistischer Ethik. Zudem verstoße die Zeitung durch die Angabe einer falschen Identität gegen Ziffer 4.1 des Pressekodex.

Bild entgegnete, die Redaktion sei überzeugt, nichts weiter gemacht zu haben als ihre Arbeit. Journalisten machten sich überflüssig, wenn sie nicht überprüften, was die Mächtigen behaupten. "Wir sind überzeugt: Im Zweifel ist es auch legitim, dies unter falschem Namen zu tun", heißt es in einem Kommentar von Redakteur Christian Stenzel.

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