22.05.2017 - 22:06 Uhr
Deutschland & Welt

Prozess vor dem Landgericht Regensburg Schläger beruft sich auf „Blackout“

Regensburg. Seit Montag muss sich ein 22-jähriger Logistiker aus Regensburg - der bisher nur wegen einiger Jugendsünden aufgefallen war - vor dem Landgericht Regensburg wegen vorsätzlicher, gefährlicher Körperverletzung und versuchtem Totschlag verantworten. Im auf zunächst vier Verhandlungstage angesetzten Prozess, dem auch zwei Sachverständige beiwohnen, werden rund 20 Zeugen gehört.

von Autor AHSProfil

Laut Staatsanwaltschaft kam es im September vergangenen Jahres gegen Mitternacht zwischen dem Angeklagten und dessen damals 19-jähriger Freundin auf der Straße nahe der Wohnung des Paars zu einem heftigen Streit. Dabei soll sie der Angeklagte mit "Hure" und "Thaischlampe" beschimpft und ihr einen heftigen Faustschlag versetzt haben. Sie stürzte zu Boden und trug ein Hämatom unter dem Auge davon.

Ein unbeteiligter Passant (30), das spätere Opfer, beobachtete die Auseinandersetzung von der anderen Straßenseite aus. Als er dem Angeklagten zurief "Lass mal das Mädchen in Ruhe" ging dieser den Angaben nach mit geballten Fäusten auf ihn zu und schrie dabei "Was willst Du? Komm her!". Es kam zu einem Faustkampf zwischen den beiden, wobei ungeklärt ist, wer damit angefangen hat.

Hinterrücks angegriffen

Schließlich gelang es dem 30-Jährigen, seinen Kontrahenten am Boden zu fixieren. Erst als dieser bat, aufzuhören und versprach, keinen Ärger mehr zu machen, ließ er ihn los. Kaum hatte sich der Angeklagte ein paar Schritte entfernt, machte er kehrt und schlug dem Geschädigten mit der Faust zunächst rücklings gegen den Kopf, später in das Gesicht, so die Staatsanwaltschaft weiter. Aus Mund und Nase blutend ging der 30-Jährige zu Boden. Dort trat der Angeklagte mehrfach gegen dessen Oberkörper und Kopf, bevor er von ihm abließ. Die Freundin des Angeklagten wollte sich um den Geschädigten kümmern, doch der schickte sie mit den Worten "Alles o.k., es passt schon, es geht schon" weiter. Als der Angeklagte dies mitbekam, trat er erneut mehrmals massiv gegen den Kopf des Mannes, der regungslos am Boden liegen blieb. Im Krankenhaus wurden unter anderem eine Gehirnblutung und eine Fraktur am Schädelknochen diagnostiziert.

Nach Verlesen der Anklageschrift erklärte der Verteidiger, Rechtsanwalt Christoph Schönhofer, dass sein Mandant nach wie vor keine Erinnerung an das Tatgeschehen habe, da er mit annähernd zwei Promille unter starkem Alkoholeinfluss stand. Er stellte aber dem Gericht eine Kopie eines Entschuldigungsschreibens an den Geschädigten zur Verfügung. Darin schreibt der Angeklagte, er sei zur Tatzeit nicht er selbst und außer Kontrolle gewesen. Er habe unter Stress und Verlustängsten gelitten, da er seine Freundin nicht verlieren wollte. Deshalb sei er an jenem Abend auf einer Party gewesen und habe sich volllaufen lassen, um alles zu vergessen. "Ich bin kein Prügeltyp, ich wollte Dich nicht verletzen." Auf Nachfragen des Gerichtsvorsitzenden berichtete der Angeklagte von häufigen Streitereien, da seine Freundin "ein sehr offener Typ, auch Männern gegenüber, war".

Nicht ansprechbar

Ein Polizeibeamter berichtete als Zeuge, dass der Geschädigte bei seinem Eintreffen blutüberströmt mittig in der Fahrbahn lag. Er sei auch nicht ansprechbar gewesen. Der Angeklagte hatte sich da bereits vom Ort entfernt. Die Polizei nahm ihn schließlich in seiner Wohnung fest.

Ein Beamter gab danach die Aussage der Freundin wider. Demnach sei der Angeklagte betrunken nach Hause gekommen. Zunächst habe es in der Wohnung, später auf der Straße Streit gegeben. Die Frau bestätigte den Tathergang, wie er in der Anklageschrift wiedergegeben wurde. Demnach habe ihr Freund zwei Passanten angegangen. Einer konnte fliehen, der Geschädigte aber blieb.

Ich bin kein Prügeltyp, ich wollte Dich nicht verletzen.Angeklagter entschuldigte sich schriftlich beim Opfer
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