Prozessbeginn um Anschlag auf BVB-Bus
Immer noch Angstzustände

Ein LKA-Beamter nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund im April 2017. Bild: Marcel Kusch/dpa

Mehrere Spieler von Borussia Dortmund leiden seit dem Anschlag vor knapp einem Jahr unter Schlafstörungen. Damals habe ein Moment zur Besinnung nach dem Schock gefehlt. "Wir sind doch Menschen und keine Maschinen", sagt einer.

Dortmund. Fußballtrainer Thomas Tuchel (44) macht den Bombenanschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund mitverantwortlich für seinen Weggang vom Bundesligisten im Sommer 2017. Im Dortmunder BVB-Prozess sagte Tuchel am Montag als Zeuge aus, es habe nach dem Attentat große Uneinigkeit zwischen ihm und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke geherrscht.

"Der größte Dissens war wahrscheinlich, dass ich im Bus saß und er nicht." Daraus habe sich ein komplett unterschiedlicher Umgang mit dem Vorfall ergeben. Auf die Frage, ob er glaube, ohne den Anschlag heute noch Trainer des BVB zu sein, antwortete Tuchel: "Ja, davon würde ich ausgehen." Vor dem Ex-Trainer hatten auch mehrere Dortmunder Spieler in ihren Zeugenaussagen den Umgang mit dem Schockerlebnis kritisiert. Vor allem die Tatsache, dass das Champions-League-Spiel gegen AS Monaco bereits am nächsten Abend nachgeholt wurde, bewerten einige heute als falsch.

"Ich glaube, wir haben alle einen großen Fehler gemacht", sagte der inzwischen nach Leverkusen gewechselte Sven Bender. Die Mannschaft hätte schließlich durchaus das Recht gehabt, nicht anzutreten. Auch BVB-Kapitän Marcel Schmelzer erinnert sich nur ungern an das Nachholspiel. "In dieser Nacht hatte keiner geschlafen. Keiner hat auch nur einen Gedanken an dieses Spiel verschwendet", sagte der Zeuge.

Weiter aufarbeiten

BVB-Ersatztorwart Roman Weidenfeller räumte sogar offen ein, bis heute psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. "Der Vorfall hat mein Leben verändert", sagte Weiderfeller. Und: "Die Aufarbeitung ist noch nicht abgeschlossen." Auch Weidenfeller hält es für einen Fehler, dass der BVB damals sofort wieder auf den Platz musste, um in der Champions-League zu spielen. "Aus meiner Sicht ist es immer noch unverständlich, dass man uns nicht einmal einen Moment der Ruhe gegönnt hat", sagte der Ersatztorwart.

"Zucke zusammen"

Fast alle am Montag vom Gericht gehörten Zeugen gaben an, nach dem Anschlag unter Schlafstörungen und Angstzuständen gelitten zu haben. "Ich glaube, dass mein Körper erst langsam wieder zur Ruhe findet", sagte Weidenfeller. Und Schmelzer räumte ein: "Wenn heute irgendwo in einem Raum ein Teller runterfällt, zucke ich sofort zusammen und der Puls geht hoch." Der Kapitän sagte den Richtern, er versuche, "das so gut wie möglich wegzudrücken".

Der Angeklagte Sergej W. sagte während des gesamten Verhandlungstages nicht ein einziges Wort. Er verzichtete auch darauf, sich persönlich bei den Betroffenen zu entschuldigen. Der 28-Jährige hat bereits zugegeben, den Bombenanschlag verübt zu haben, um mit einer Wette auf einen fallenden Kurs der BVB-Aktie reich zu werden.
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