Radiologieassistenten müssen gut in Naturwissenschaften sein
Die Strahlentechniker

Der Umgang mit komplexen Geräten gehört für medizinisch-technische Radiologieassistenten zum Berufsalltag. Bild: dpa

(dpa/tmn) Mathe, Physik, Chemie - wer den Stundenplan von Annika Funke anschaut, merkt schnell: Ohne Spaß an Formeln geht es in ihrer Lehre kaum. Funke macht eine Ausbildung zur medizinisch-technischen Radiologieassistentin (MTRA). Die Fachkräfte stellen in Krankenhäusern oder Arztpraxen Röntgenaufnahmen her, führen bei Krebspatienten auf Anweisung des Arztes Strahlentherapien durch und bedienen Computer- und Kernspintomographen.

Interesse an Naturwissenschaften und Technik seien in dem Job das A und O, bestätigt Anke Ohmstede, Leiterin der MTRA-Schule im Klinikum Oldenburg. Obwohl sich Mädchen in der Schule eher selten für die Naturwissenschaften begeistern, ist der medizinisch-technische Radiologieassistent ein Frauenberuf. Von den MTRA-Schülern an allen deutschen Berufsfachschulen waren im Lehrjahr 2010/11 rund 70 Prozent weiblich. In Funkes Klasse ist das Verhältnis ähnlich: Zwölf Frauen und sechs Männer werden dort ausgebildet.

Praktikum empfehlenswert

Im ersten Lehrjahr sitzen die Auszubildenden ausschließlich in der Berufsschule: Neben Mathematik, Physik, Biologie und Chemie steht etwa radiologische Diagnostik auf dem Stundenplan. In dem Fach lernen die Auszubildenden, wie eine Röntgenröhre funktioniert oder wie Patienten sitzen müssen, damit ein gutes Röntgenbild entsteht. Wer MTRA werden möchte, muss sorgfältig und konzentriert arbeiten können. Ihre Ergebnisse sind die Grundlage für das Therapiekonzept der Ärzte.
Erst nach dem ersten Lehrjahr geht es in die Praxis: "Ich freue mich am meisten auf den Umgang mit den Patienten", sagt Funke. Den Berufsalltag kennt sie schon von Praktika, die sie vor Ausbildungsbeginn gemacht hat. Hospitanzen sind zwar keine Voraussetzung, um in der Berufsfachschule zugelassen zu werden. Sie werden aber dringend empfohlen.

Auf dem Stundenplan steht auch Psychologie. Medizinisch-technische Radiologieassistenten sind bei Untersuchungen häufig der erste Ansprechpartner für Patienten, die oft Schmerzen oder Angst haben. Ein MTRA braucht deshalb großes Einfühlungsvermögen. "Man muss was aushalten können in dem Beruf", sagt Andreas Pfeiffer vom Berufsverband DVTA, der unter anderem die Radiologieassistenten vertritt. Gerade der Umgang mit schwer kranken Kindern sei für viele nicht leicht. Auch Funke hat die Belastungen in ihrem Praktikum bemerkt: "Im Krankenhaus fühlt man schon sehr mit den Patienten mit, gerade auf der Intensivstation", erzählt sie.
Auch die Arbeitszeiten im Beruf des MTRA sind zum Teil belastend. Oft stehen in den Krankenhäusern Wochenenddienste und Nachtschichten auf dem Programm. Funke hofft deshalb, später in einer Arztpraxis arbeiten zu können, in denen meist nicht im Schichtdienst gearbeitet wird. Auch wer sich spezialisiert, etwa auf Strahlentherapie, kann den Nachtdiensten ausweichen.

Wer den Beruf erlernen will, braucht mindestens einen einfachen Realschulabschluss. Die dreijährige Ausbildung machen die Jugendlichen an einer Berufsfachschule und wenden das Gelernte in Praxiseinheiten an. Die Auszubildenden bekommen keine Vergütung. An einigen Schulen müssen sie sogar Lehrgeld zahlen, so auch in Oldenburg. Um die 100 Euro sind das im Monat, dazu kommen Ausgaben für Bücher und Fachkleidung. Dafür steigen Menschen, die gleich nach der Schule mit der Ausbildung beginnen, bereits im Alter von etwa 20 Jahren ins Berufsleben ein.

Laut der DVTA verdienen Einsteiger am Anfang zwischen 1900 bis 2200 Euro brutto im Monat. Später steigt das Einkommen je nach Tätigkeit und Berufszeit noch etwas, laut Arbeitsagentur auf bis zu 2650 Euro. Die Beschäftigten vom Bund und den Kommunen werden nach den Tarifverträgen für den öffentlichen Dienst bezahlt. Wer beruflich vorankommen will, kann nach der Ausbildung eine Weiterbildung zum Fachradiologietechnologen machen.

Beste Aussichten

In den letzten Jahren hat sich in der Radiologie vieles verändert. Durch die rasante technische Entwicklung gibt es heute in fast jedem Krankenhaus einen Computer- und Kernspintomographen. Seit einigen Jahren werden alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren zur Brustkrebs-Früherkennung einem Mammografie-Scanning unterzogen. Dafür braucht es Fachpersonal. Und an dem mangelt es. Das bestätigt auch Schulleiterin Ohmstede: "Die Schüler, die in diesem Herbst fertig sind, haben teils schon Arbeitsverträge in der Tasche."
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