21.07.2009 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Raumausstatter Hubert Hausner setzt in Kohlberg Trends - Angebot aus Amerika ausgeschlagen New Yorks Häuser locken ihn nicht

Als Raumausstatter kennt sich Hubert Hausner mit Farbentrends aus. So war sein blaues Haus das erste farbige in ganz Kohlberg. "Die Leute sind in Scharen hier her gepilgert", erinnert sich Hausner lachend.

Die blauen Häuser von Annette und Hubert Hausner - links das Wohnhaus, hinter ihnen das Geschäft - waren die erste Farbkleckse in Kohlberg. Auch jetzt sind kräftige Farben wieder im Trend, weiß der Raumausstatter. Bild: Duft
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Und auch jetzt sind intensive Töne wie Rot und Braun wieder "in". "Mildere Terracotta-Farben laufen langsam aus", erklärt Hausner. "Gefragt sind jetzt die Retro-Muster der Siebziger-Jahre." Der Raumausstatter hat schon einige Trends kommen und gehen sehen. Vor 14 Jahren machte er sich selbstständig, vor 20 Jahren bestand er seine Meisterprüfung. Ein Grund zum Feiern ist das für Hausner aber nicht. "Ich muss mir selbst keine Lorbeerkränze aufsetzen. Für mich wär' das ein Zeichen, dass man kurz vorm Aus steht."

Raumausstatter, das sind eigentlich vier Berufe in einem: Tapezierer, Bodenleger, Dekorateur und Polsterer. Selten richtet Hausner allerdings einen Raum komplett ein. "Die meisten Kunden verteilen die Aufgaben auf mehrere Handwerker." Doch es kommt vor, dass Hausner den Boden verlegt, dann die Möbel mit einem passenden Stoff überzieht und gleich noch die Gardinen dazu liefert. Spannend wird es für Hausner, wenn Antiquitätenhändler ihm historische Möbelstücke zum Herrichten bringen. "Ich hatte schon einen Sessel im Geschäft, der 18 000 Euro wert war", erzählt er. Bei Antiquitätenhändlern ist er ein gefragter Mann, denn das Fachwissen um die Polsterung mit Rosshaar oder Federn haben nicht mehr viele. "Heute ist Schaumstoff das ultimative Material."

Gerade arbeitet Hausner an Stühlen der Volksschule Grafenwöhr. Routiniert verpasst er jedem Stuhl einen neuen Überzug. Wäre es für die Schule da nicht billiger, gleich neue Stühle zu kaufen? "Gerade öffentlichen Einrichtungen ist die Langlebigkeit ihrer Möbel wichtig", erklärt Hausner. Die Stühle seien aus den Siebziger-Jahren, als noch viel mit Massivholz gearbeitet wurde. Da lohne sich der neue Überzug auf jeden Fall. Aber auch bei Privatleuten erkennt Hausner ein Umdenken.

"Einige Kunden geben wieder mehr Geld für Handarbeit aus, denn die Qualität, die sie dafür bekommen, zahlt sich auf die Zeit aus." Hausners Arbeitstag beginnt um 7.30 Uhr, ein festes Ende gibt es nicht. "Unsere Arbeitszeit beträgt nicht acht Stunden, sondern ein Tagwerk, also bis unser Pensum abgeschlossen ist." Uns, das ist Hausner selbst und seine Frau Annette, die bei der Organisation hilft.

Fast hätte es Hausner übrigens nach New York verschlagen. Ein amerikanischer Kunden wollte ihn in die USA lotsen. "Dort gibt es nur wenige Polsterer und die sind sehr teuer. Mein Kunde dachte, das wäre doch eine Marktlücke." Hausner lehnte ab. Die Großstadt und das Geld lockten ihn nicht. In seinem blauen Haus in Kohlberg hat er den perfekten Arbeitsplatz bereits gefunden.

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